Berlin : Aus den Augen verloren: Eine Suchagentur hilft weiter

Ensa Maurer

Doris sucht Tom, Birgit sehnt sich nach Ute, und Anke bittet Volker, den sie auf einer Party kennenlernte, per Kleinanzeige um ein Wiedersehen. Die Chancen, dass die Suchenden so fündig werden, sind hoch - wenn die Vermissten dieselbe Gazette lesen und nicht nur als Touristen in der Stadt waren. Liegt der letzte Kontakt aber schon Jahre zurück, gestaltet sich die Fahndung oft schwierig.

Nicht für Susanne Panter. "Solche Fälle sind eigentlich die leichtesten, sofern bei den Meldeämtern keine Sperrvermerke existieren." Seit einem Jahr sorgt die Berlinerin mit ihrer Ein-Frau-Firma professionell für Wiedersehensfreude. Ex-Kollegen, Urlaubsflirts, leibliche Mütter und Väter oder ganze Schulklassen stöbert sie auf, um zusammenzubringen, was einmal zusammengehörte. Überwiegend erfolgreich, nur selten erfährt sie bei der ersten Kontaktaufnahme mit den Gefundenen brüske Ablehnung.

"Ganz hart war es, als ich von einer Frau den Auftrag bekam, ihre leibliche Mutter zu finden. Ich habe mit einer Frau telefoniert, auf die alle Angaben zutrafen - und dann sagte sie mir plötzlich, dass ihr zweiter Vorname nicht Marion, sondern Karin sei." Noch heute ist die 33-Jährige überzeugt, die Richtige gefunden zu haben. "Da bleibt mir dann nichts anderes übrig, als den Suchenden zu erklären, dass der Kontaktwunsch offenbar einseitig ist." Ein aus Adresse und Telefonnummer des Gefundenen bestehendes Trostpflaster verbietet neben der Firmenphilosophie auch das Datenschutzgesetz.

Mit dessen Hütern in Konflikt zu geraten, liegt nicht im Interesse der Jung-Unternehmerin, da sie hin und wieder auf deren Mithilfe angewiesen ist: "Momentan stehe ich in Kontakt mit einem Landesdatenschutzbeauftragten, um ein Adressmittlungsverfahren bei einer störrischen Kurverwaltung zu erwirken." Hintergrund dieser Bemühungen ist das Bedürfnis eines Kunden, seine Kurbekanntschaft - kein Kurschatten, wie er ausdrücklich betont - zu erreichen.

Das Gros der Fälle, die in Susanne Panters Auftragsbuch landen, lässt sich ohne derartige Unterstützung lösen. "Wenn mir ein Klient, der eine Familie namens Richter sucht, den Hinweis gibt, dass sie Mitte der 80er Jahre in der Bundesallee gewohnt hat, dann recherchiere ich zuerst in den entsprechenden Telefonbüchern der Bibliothek des Postmuseums." Helfen die nicht weiter, tun es Meldeämter, Archive oder die Suchmaschinen des Internets.

Oft sind jedoch die Hinweise der Kunden, die mit der fälligen Anzahlung bei ihr eingehen, zu dürftig, um auf konventionellen Fährten die Witterung aufzunehmen. Ein Beispiel dafür ist Ronny, der seine Jugendliebe Ulrike sucht. Von der weiß er nicht mal mehr den Nachnamen, wohl aber, dass sie inzwischen Mitte 40 sein müsste und bei ihrer letzten Begegnung vor 25 Jahren in einer Bäckerei in Grünau gearbeitet hat. Schmunzelnd erzählt Susanne Panter von der eindringlichen Bitte, ihm Informationen über den Stand der Nachforschungen ausschließlich über die Handy-Nummer mitzuteilen. Und von seinem Wunsch, zu erfahren, ob Ulrike in einer festen Partnerschaft lebt.

Die Auskunft ist ihm immerhin 200 Mark wert. So viel kostet es, die Firma mit dem programmatischen Namen "Wiedersehen macht Freude" (Tel. 342 95 90) nach Verschollenen suchen zu lassen. Bleibt die Freude versagt, weil ihnen selbst auf den kuriosesten Wegen nicht auf die Schliche zu kommen war, reduziert sich die Forderung auf 50 Mark. Über einen Mangel an Gelegenheiten, ihrer Lust am Recherchieren zu frönen, kann sich die Kommunikationswirtin nicht beklagen. Und ein stetig wachsender Kundenkreis aus Frauen und Männern aller Altersstufen bestärkt sie in dem Gefühl, in der entdeckten Marktlücke gut gedeihen zu können.

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