Berlin : Aus der Affäre gezogen

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WAS AUS ANTES UND ANDEREN VERDÄCHTIGEN WURDE

Am Korruptionsskandal, der WestBerlin in den achtziger Jahren fast aus den Angeln hob, waren viele beteiligt. Nicht nur Otto Schwanz und Wolfgang Antes . 165 Zeugen hatte der parlamentarische Untersuchungsausschuss bis 1988 gehört. Wo ist Antes denn geblieben? Von einer fünfjährigen Haftstrafe saß er 14 Monate ab, wurde krank entlassen und bekam vom Bundesgerichtshof 20 000 Mark Schmerzensgeld zugesprochen. Mit Politik hatte der Charlottenburger Ex-Baustadtrat seither nichts mehr am Hut, aber die Spenden- und Bankenaffäre vor zwei Jahren verfolgte er mit Interesse.

Antes ehemaliger Kollege, der Bezirksbürgermeister Eckard Lindemann , hat heute eine Anwaltskanzlei in Spandau und ist treues Mitglied des Charlottenburger Turn- und Sportvereins. Was aus dem Wilmersdorfer Baustadtrat Jörg Herrmann geworden ist, der – wie Antes – 1987 ins Gefängnis wanderte, wissen wir nicht. Drei Senatoren mussten gehen, weil sie zweifelhafte Spenden angenommen hatten und auch sonst eng verstrickt waren in den Skandal. Der damalige Bausenator Klaus Franke (CDU) lebt als zufriedener, agiler Ruheständler in Berlin und sitzt noch im Aufsichtsrat der Köpenicker Wohnungsbaugesellschaft. Ex-Innensenator Heinrich Lummer feierte im April seine 50-jährige CDU-Mitgliedschaft, erlitt aber kürzlich einen Schlaganfall. Der ehemalige Umweltsenator Horst Vetter (FDP) fehlt seit 25 Jahren auf keinem „Ball der Gartenfreunde“ und sitzt im Landesschiedsgericht der Berliner Liberalen.

Zwei spenden- und kontaktfreudige Bauunternehmer, deren Namen damals in aller Munde waren, leben nicht mehr: Heinz Ruths starb 1991, Kurt Franke im selben Jahr. Der Münchener Baubetreuer Bernd Bertram , eine Schlüsselfigur des Skandals, ward in Berlin nicht mehr gesehen. Auch der Autohändler Otto Putsch , der mit Lummer ab und zu nach Beirut reiste, verschwand in der Versenkung. za

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