Berlin : Aus der Distanz

Ihre Gegensätze zogen sich an: Er ist Germanist, sie Sportlerin

Maren Sauer

Als Torben Zimmermann eingeschult wurde, machte Vera Meyer gerade ihre ersten Schritte. Fast zwanzig Jahre später, im Januar 1996, lernten sie sich an einem Fachgymnasium kennen. Er wollte studieren, vielleicht Germanistik, vielleicht evangelische Theologie. „Ich wusste nur, dass ich nicht in meinem Beruf als Steuerfachgehilfe weiterarbeiten, sondern mal in einem Medien-Job landen will“, erinnert er sich. Konkreter waren Veras Pläne: Sport und Geographie auf Lehramt wollte sie studieren.

Gefunkt hat es zwischen den beiden, als sie gemeinsam am Projekt „Homo ludens – Der spielende Mensch“ arbeiteten. Sie kamen sich näher, während sie aktuelle Gesellschaftsspiele zu testen hatten. „Allerdings“, ergänzt der heute 31-Jährige, „waren wir auch da nicht gleich Feuer und Flamme füreinander.“ Zögernd habe er, der unsportliche Opern- und Literatur-Fan, sich an sie, die an klassischer Musik und Lektüre eher desinteressierte Sportlerin, herangetastet. Voller Zweifel, ob so viele Gegensätze ihren Reiz behalten würden.

„Am 8. Dezember hat Torben dann aber doch den nächsten Schritt gemacht, mich geküsst, und seitdem sind wir zusammen“, erzählt Vera. Die erste Krise ließ freilich nicht lange auf sich warten. Ursache seien aber nicht ihre unterschiedlichen Interessen gewesen, sondern die Distanz zwischen den zugewiesenen Studienplätzen: Torben sollte Germanistik und Theologie in Berlin studieren, während die angehende Lehrerin nach Kiel vermittelt wurde. „Die Pendelei war so nervig, dass ich schließlich widerwillig aber Vera zuliebe wieder nach Schleswig-Holstein gegangen bin.“

Grausam war für ihn der Schritt zurück, die erzwungene Abstinenz vom Metropolen-Flair. Doch dann ergab sich vor zwei Jahren für beide die Chance, das Studium doch noch in Berlin fortzusetzen. Sie bezogen ihre erste gemeinsame Wohnung – und erkannten erstaunt, dass das Zusammenleben sofort „erschreckend reibungslos“ klappte. Mit ihren unterschiedlichen Interessen ergänzten sie sich eben.

Ungleich holperiger verliefen hingegen die Vorbereitungen für Torbens Heiratsantrag, genau vier Jahre nach dem ersten Kuss war das: „Ich hatte vorher eine richtig fiese Magen-Darmgrippe, war erst am 7. Dezember wieder in der Lage, Vera einen Ring zu kaufen, und am nächsten Tag, als ich gerade die Sektflasche geöffnet hatte, haute sie das Virus um.“ Folglich war die Verlobung „sehr leger“.

Blieb die Hoffnung auf eine gesunde standesamtliche Trauung am fünften Jahrestag des Kusses – doch auch die erfüllte sich nicht: Torben hatte Angina und konnte das Jawort nur krächzen. „Aber die kirchliche Hochzeit in unserer Heimatstadt war für uns ohnehin das Wichtigste“, sagt Vera Zimmermann, die sich an diesem 16. August ebenso wie der Bräutigam bester Gesundheit erfreute. Maren Sauer

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