Berlin : Aus der Senatssitzung: Nach dem 3. Oktober wird das Tor eingepackt

Ulrich Zawatka-Gerlach

Nach den Feierlichkeiten zur zehnjährigen Vereinigung Deutschlands am 3. Oktober wird das Brandenburger Tor verhüllt und saniert. Die Bauarbeiten begännen in jedem Fall vor Silvester, teilte der stellvertretende Senatssprecher Eduard Heußen mit. Kultursenator Christoph Stölzl habe die Landesregierung gestern offiziell darüber informiert, dass das Tor renovierungsbedürftig sei und die Sanierung "einige Zeit in Anspruch nehmen wird". Der bisher genannte Zeitraum von zwei Jahren könne aber deutlich unterschritten werden, habe Stadtentwicklungssenator Peter Strieder in der Senatsrunde mitgeteilt.

Die Stiftung Denkmalschutz hat für die Sanierungsarbeiten, die etwa 8,5 Millionen Mark kosten, angeblich schon Zusagen in Höhe von zehn Millionen Mark. Die Bauarbeiten sollen, wie berichtet, von privaten Sponsoren finanziert werden. Diese erhalten im Gegenzug das Recht, am Brandenburger Tor gut sichtbar ihre Firmenlogos zeigen zu dürfen. Das Tor soll mit Planen verhüllt werden, auf denen die Silhouette des weltbekannten Baudenkmals aufgemalt wird. Hauptsponsor ist offenbar die Deutsche Telekom, die als erstes Unternehmen in Höhe des Tor-Querbalkens, unterhalb der Quadriga, ihr Markenzeichen anbringen darf. Die Namen weiterer Sponsoren wurden gestern nicht bekanntgegeben. Für die Werbeaktion zahlen die Unternehmen pro Monat eine Gebühr. Mineralwasserwerbung wie an der Gedächtniskirche werde es nicht geben, sagte Senatskanzleichef Volker Kähne.

Ein Gutachten, das die Bauverwaltung des Senats in Auftrag gab, ist zum Ergebnis gekommen, dass die Fundamente des Berliner Wahrzeichens erneut untersucht, eventuell auch saniert werden müssen. Außerdem wird die Oberfläche des Tores mit einer neuartigen Laser-Reinigungsmethode (entwickelt in Adlershof) porentief gesäubert. Mit dramatischen Verkehrsbeeinträchtigungen sei während der Arbeiten nicht zu rechnen, so Heußen. Autos, Radfahrer und Fußgänger könnten weiterhin das Tor passieren. Der Verkehr werde aber für den Zeitraum gesperrt, in dem der Pariser Platz gepflastert werde. Ursprünglich hatte die Bauverwaltung versichert, eine Vollsperrung sei nicht nötig. Muster des künftigen Straßenpflasters sind übrigens am Gorki-Theater ausgestellt und zu besichtigen. Steinsorte und Farbgebung stehen noch nicht fest.

Die Sanierung des Brandenburger Tores ist auch ein Grund dafür, dass die traditionelle Silvesterparty nicht unmittelbar am, sondern nur in der Nähe des Bauwerks stattfinden kann. Über die Party habe der Senat gestern aber nicht im Detail beraten, sagte Sprecher Heußen. Auf die Frage, ob die Gestaltung des Pariser Platzes in absehbarer Zeit durch den Bau der amerikanischen Botschaft abgerundet werden könne, sagte Senatskanzleichef Kähne: "An den Voraussetzungen dafür arbeiten wir noch." Auf gutem Weg seien die Gespräche mit der Stiftung für das Holocaust-Mahnmal, die sich bereit erklärt hatte, einen Streifen des Mahnmalgeländes für das Botschaftsgrundstück abzutreten. "Dies scheint jetzt gesichert", teilte Kähne mit.

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