Berlin : „Aus einem traurigen Arsch kommt kein fröhlicher Furz“

NAME

Die liebe Abendsonne scheint auf die Dachterrasse, das Buffet ist hochsommerlich leicht, und sehr pikant, die Getränke sind angenehm kühl. So schön kann Wahlkampf sein. Im Kaufhaus „Stilwerk“ an der Charlottenburger Kantstraße feiern SPD-Hauptleute und um die 200 Prominente aus Kultur, Wirtschaft und Showbusiness die Gründung der Initiative „Wir für Schröder“, die es nun auch in Berlin gibt. Eine klassische Wählerinitiative ist es nicht, sagen wir eine Bekenner-Initiative.

Noch 74 Tage sind es bis zur Bundestagswahl. „Dann wird Edmund Stoiber seinen politischen Höhepunkt überschritten haben“, meint SPD-Generalsekretär Franz Müntefering augenzwinkernd. Er hat Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin und den Münchener Oberbürgermeister Christian Uhde mitgebracht. Die Berliner Kandidaten sind auch da, an der Spitze Bundesministerin Christine Bergmann. Neben dem Schauspieler Wolfgang Völz, der Unternehmerin Susanne Preuße-Schrader, dem Gastwirt Friedhelm Drautzburg (StäV) und der Präsidentin des Behindertensportverbandes, Kirstin Fussan, gehören auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und Parlamentspräsident Walter Momper – als SPD-Schrittmacher – zu den Erstunterzeichnern des Wahlaufrufs für den Kanzler.

Viele Promis haben sich als Bekenner bei der Party eingefunden, unter ihnen Edzard Reuter, Volksbank-Chef Karl Kauermann, Universal-Chef Timm Renner, Thomas Mecke vom Vorstand der Wasser Holding, Peter Sauerbaum vom Jüdischen Museum, der Verleger Horst Wandrey, die Schauspieler Friedrich Schönfelder und Jan Hartmann („Gute Zeiten, schlechte Zeiten“).

Wolfgang Völz eröffnet die Party zur allseitigen Erheiterung, indem er daran erinnert, dass Gerhard Schröder neulich Martin Luther zitiert hat: „Aus einem traurigen Arsch kommt kein fröhlicher Furz.“ Doch bevor sich alles über leckere Happen und Rote Grütze hermachen darf, müssen ein paar kleine ernste Anmerkungen sein. Wowereit, Nida-Rümelin und Müntefering preisen die Segnungen der Bundesregierung, wie sie im Aufruf stehen, also die „Auflösung des Reformstaus nach 16 Jahren Helmut Kohl“. Das darf doch nicht wieder in Gefahr geraten, oder?

Deshalb sollen all die Bekenner-Promis bis zum September tüchtig als Multiplikatoren werben, sich auch in Wahlveranstaltungen zeigen, damit die Leute sagen: Sieh mal an, der und die sind auch dabei. „Mundfunk schlägt Rundfunk“, meint Müntefering und fügt hinzu: Wir haben’s nötig.“ Auch andernorts werben Prominente wie Günter Grass für „die zweite Halbzeit für Gerhard Schröder“. Brigitte Grunert

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben