Berlin : Aus Frust einen Rentner erschlagen Mordprozess gegen zwei junge Männer

Kerstin Gehrke

Angeblich wollten sie nur durch den Großen Tiergarten schlendern und „ein bisschen quatschen“. Benjamin S. sagte, er habe seinem Kumpel Benjamin R. dann zumindest andeutungsweise von seinem Frust erzählt. Davon, dass er noch bei seinen Großeltern lebte und sich eingeengt fühlte. „Ich kriegte schlechte Laune“, meinte S. vor dem Landgericht. Er sah dann einen Mann, der ihnen entgegenkam. Er schlug erbarmungslos auf den gehbehinderten Rentner ein.

Der 23-jährige S. und der zwei Jahre jüngere R. müssen sich seit Dienstag wegen Mordes verantworten. Sie sollen im April vergangenen Jahres den 57-jährigen Frührentner Klaus-Dieter S. mit seiner Gehilfe sowie mit Fußtritten und Schlägen zu Tode misshandelt haben. Eine Passantin hatte den Toten mit zertrümmerten Schädel kurz vor Ostern 2003 gefunden. Der 57-jährige S. verstarb noch am Tatort. Die Anklage geht davon aus, dass die beiden Angeklagten ihren Frust auslassen und ihr willkürlich gewähltes Opfer ausrauben wollten.

S. und R. waren in jener Nacht in der Diskothek „Linientreu“ in der Budapester Straße. Weil ihnen dort der Alkohol zu teuer war, gingen sie zu einer Spätverkaufsstelle. Zum „Abkühlen“ seien sie dann Richtung Tiergarten gegangen, sagte der Ältere, der während des Gesprächs mit seinem Begleiter zunehmenden Frust über das eigene Leben verspürt haben will. Der Installateur gab zu: „Ich schlug dem Mann auf den Kopf, er fiel hin, ich trat zu.“ Sein Kumpel habe die Krücke gegriffen und ebenfalls zugeschlagen. „Ich war extrem betrunken“, sagte S.

Nach Darstellung von S. stand plötzlich der Gedanke jemanden „abzuziehen“ im Raum. Während er zudrosch, sei sein Kopf leer gewesen. „Dann wurde mir bewusst, was wir gemacht hatten“, sagte S. „Wir ließen den Mann liegen, haben auch nichts mitgenommen.“ Sein Freund R., der damals eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker machte, gab einen Tritt zu. Schläge mit der Krücke aber bestritt er.

Woher die Gewalt? Es gab am ersten Verhandlungstag keine Hinweise auf gravierende Probleme der Männer, aber auf eine kriminelle Entwicklung. Benjamin S. sagte, er habe einer gewaltbereiten Neuköllner Clique angehört. „Man lässt sich nichts gefallen“, beschrieb er die Einstellung der Gruppe. Der jüngere Angeklagte ist wegen Raubes vorbestraft. Der Prozess wird fortgesetzt.

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