Berlin : Aus kleinem Holz geschnitzt

Das britische Ukulele-Orchester hat Spaß mit vier Saiten

Sebastian Leber

Ihre Instrumente sind nur 60 Zentimeter lang, haben bloß vier Saiten und sehen aus wie Spielzeuggitarren. Trotzdem gibt es angeblich nichts, was man auf einer Ukulele nicht spielen könnte.

Den Beweis treten derzeit die sieben Musiker des „Ukulele Orchestra of Great Britain“ im Tipi-Zelt am Kanzleramt an. Am gestrigen Donnerstag sollte Premiere sein, noch bis Sonntag steht die Gruppe jeden Abend auf der Bühne. Ihr Programm nennt sich „Anarchy in the Ukulele“, das passt: Die Briten lassen sich bei der Auswahl der Stücke auf kein Genre beschränken: Tschaikowsky gibt es ebenso zu hören wie den Clash-Klassiker „Should I stay or should I go“.

Das Wort Ukulele ist hawaiianisch und bedeutet „hüpfender Floh“. Im Jahr 1879 brachte ein portugiesischer Einwanderer das Instrument auf die Insel, von dort verbreitete es sich in Nordamerika und wurde schließlich auch in Europa einigermaßen populär. Dabei blieb die Ukulele immer ein Nischeninstrument. In Deutschland kennt man sie vor allem von Stefan Raab, der damit in seiner Show Prominente wie Rudi Carrell, Dieter Bohlen und Tom Jones aufsuchte und ihnen bösartige Lieder vorsang. Verglichen mit der Show im Tipi war das nur uninspiriertes Geklampfe: Das Ukulele Orchestra bringt sein Publikum mit handwerklich gekonnten, komödiantischen und manchmal fast artistischen Einlagen zum Staunen. Selbst ein krachiges Grungestück wie Nirvanas „Smells like teen spirit“ klingt in der Neuinterpretation der Briten plötzlich virtuos.

Das Miniorchester gibt es seit 1985. Eigentlich war der Einsatz der Bonsaigitarren nur als Spaß gedacht, aber nachdem ihre ersten Konzerte allesamt ausverkauft waren, blieb man dabei. Inzwischen tourt die Band auch durch Skandinavien, Nordamerika und Japan. Dabei kommt den Mitgliedern die Größe des Instruments sehr entgegen: „Man kann auf Weltreise gehen und sie im Handgepäck mitnehmen.“ Ein weiterer Vorzug des Instruments ist musikwissenschaftlich nicht bewiesen: Angeblich kann man mithilfe der Ukulele herausfinden, ob es sich bei einem Stück um qualitativ hochwertige Musik handelt oder nicht. „Wenn das Lied auf der Ukulele gut klingt, ist auch die Komposition gut.“ Vergangenes Jahr war das Orchester bereits in der Bar jeder Vernunft zu Gast. Gemessen am Beifall des Publikums müssen die Lieder alle sehr hochwertig gewesen sein. Sebastian Leber

Die Show läuft bis Sonntag, Karten kosten zwischen 20 und 30 Euro. In der Großen Querallee, Infos unter Telefon 390 66 50 oder www.tipi-das-zelt.de.

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