Berlin : Aus Opfern wurden Täter

Missbrauchte Brüder stehen jetzt selbst als Kinderschänder vor Gericht

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Er galt in mehreren Familien als „guter Onkel“. Mario S. bot Hilfe bei Besorgungen und bei der Kinderbetreuung an. Man vertraute ihm. Schließlich war er Gefängniswärter in der JVA Plötzensee. Nach Überzeugung der Ermittler aber suchte der angebliche Freund der Familie nach Jungen, an denen er seine perversen Fantasien ausleben konnte. Fünf seiner Opfer machte er laut Anklage später sogar zu Komplizen. Wie zwei Brüder, die sich seit gestern selbst als Kinderschänder vor dem Berliner Landgericht verantworten müssen.

Die Geschwister sind heute 26 und 28 Jahre alt. Sie haben den „guten Onkel“ vor etwa 15 Jahren kennen gelernt, als ihn ein dritter Bruder mit nach Hause brachte. Der inzwischen suspendierte Beamte soll vor allem den Kontakt zu dem jüngsten Bruder gesucht und viele Wochenenden mit dem Jungen verbracht haben. Tino L. (Name geändert) wurde laut Anklage im Alter von elf Jahren das erste Opfer des Justizbediensteten. Fünf Jahre später soll er selbst zum Täter geworden sein.

Unter Anleitung ihres früheren Peinigers sollen die Brüder aus Hellersdorf zwischen 1995 und 2002 vier Jungen im Alter von neun bis dreizehn Jahren sexuell missbraucht haben. Zu den Opfern zählte laut Anklage auch der Stiefsohn des Wärters, seit dieser neun Jahre alt war. Für den Prozess gegen die Brüder wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Es ist mit kurzer Prozessdauer zu rechnen, da die Verteidigung Geständnisse ankündigte.

Der 43-jährige Mario S. selbst befindet sich seit November 2004 in Untersuchungshaft und wartet noch auf seinen Prozess. Der gebürtige Leipziger soll sich zwischen 1990 und 2004 an 15 Jungen im Alter zwischen drei und dreizehn Jahren vergangen haben. Ihm werden mehr als 300 Fälle von Missbrauch bis zu Vergewaltigungen vorgeworfen. In der Regel soll er die Kinder bezahlt haben. Die beiden Brüder werden in der Verhandlung gegen S. als Nebenkläger auftreten. K. G.

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