Ausbau A 100 : Opa soll die Autos leiser machen

Der Stadtring wird bis zum Treptower Park verlängert. Erstmals kommt beim Bau "Offenporiger Asphalt“ ("Opa") zum Einsatz - gegen den Lärm. Im Jahr 2017 soll der 420 Millionen Euro teure Autobahnabschnitt fertig sein.

Klaus Kurpjuweit
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Der bisher wohl teuerste Autobahnabschnitt Deutschlands wird jetzt in Berlin auf den Weg gebracht. Für rund 420 Millionen Euro soll der Stadtring A 100 vom Dreieck Neukölln zunächst um 3,2 Kilometer bis zum Treptower Park verlängert werden. Die Kosten übernimmt der Bund. Hinzu kommen rund 20 Millionen Euro für die Planung, die Berlin aufbringen muss. Das Land verkauft dem Bund aber auch Grundstücke. Später ist vorgesehen, die Trasse über die Frankfurter Allee bis zur Landsberger Allee zu bauen. Die Pläne für den ersten Abschnitt liegen vom 9. März an in den Rathäusern Neukölln und Treptow öffentlich aus.

„Opa“ soll es dabei schaffen, dass es möglichst wenig Klagen von Anwohnern gibt. Zum ersten Mal in Berlin soll dieser Autobahnabschnitt einen sogenannten offenporigen Asphalt (Opa) erhalten, der den Autolärm erheblich verringern werde, sagte Katrin Vietzke von der Stadtentwicklungsverwaltung am Freitag.

Insgesamt würden rund 30 000 Anwohner im Südosten der Stadt ruhiger leben, zweieinhalb Mal so viele, wie durch den Bau der Autobahn belastet würden, sagte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Da die Autobahn den Verkehr bündele und Stadtstraßen entlaste, seien der Bau – und die Ausgaben dafür – gerechtfertigt. Der gesamtwirtschaftliche Nutzen sei um den Faktor 3,6 höher als die Kosten. Ein so hoher Wert wird nur selten erreicht.

Nach den Prognosen der Senatsplaner wird der Verkehr in den Wohnquartieren des Südostens um durchschnittlich 14 Prozent abnehmen. Einen Rückgang um über 50 Prozent erwarten die Planer auf der Puschkinallee, der Straße Am Treptower Park und auf der Bulgarischen Straße. Zunehmen wird die Zahl der Autos unter anderem auf der Sonnenallee, die zu einer Anschlussstelle an der Autobahn führt. Einen Anspruch auf Lärmschutz haben die Anwohner dort nicht. An der Autobahn sind dagegen Schallschutzfenster vorgesehen, wenn der Krach auch mit „Flüsterasphalt“ und Lärmschutzwänden zu stark ist.

Der sechsspurige Autobahnneubau wird am Dreieck Neukölln mit einem 385 Meter langen Tunnel beginnen, der die Bergiusstraße, das Gleis der Industriebahn, die Grenzallee und die Neuköllnische Allee unterquert. Danach folgt eine bis zu sieben Meter tief liegende 2270 Meter lange Trogstrecke vorwiegend durch Kleingartenanlagen, die – wie auch vier Mehrfamilienhäuser an der Trasse – weichen müssen. Am Treptower Park endet die Trasse ebenerdig. Weiter Richtung Lichtenberg geht es hier über die Elsenbrücke, die derzeit saniert wird.

Deren östliche Hälfte muss später trotzdem abgerissen werden, wenn der Stadtring weiter Richtung Frankfurter Allee gebaut wird. Beim derzeitigen Umbau des Bahnhofs Ostkreuz wird ein Autobahntunnel bereits baulich vorbereitet. Bis zur Frankfurter Allee ist ein doppelstöckiger Tunnel vorgesehen.

Zu den langfristigen Projekten im Bundesverkehrswegeplan gehört der Weiterbau der Autobahn bis zur Landsberger Allee. Danach ist derzeit planerisch Schluss; die Verbindung zur A 100 an der Seestraße in Wedding würde über Stadtstraßen hergestellt. Der ADAC fordert seit Jahren, den Stadtring vollständig als Autobahn zu schließen.

Gegen den Autobahnbau wehren sich Anwohner und Initiativen wie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die bereits Klagen angekündigt haben. Sie werden in nur einer Instanz gleich vor dem Bundesverwaltungsgericht verhandelt. Auch die Bezirksverordneten von Friedrichshain- Kreuzberg haben sich auf Antrag der SPD gegen die Autobahn ausgesprochen. Die Planer wollen den neuen Abschnitt der A 100 im Jahr 2017 eröffnen.

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