Ausbau der A 100 : Mehrspurig zum nächsten Konflikt

Der Ausbau der Stadtautobahn A 100 bis Treptow ist beschlossene Sache. Doch schon jetzt wird die Verlängerung bis Friedrichshain ins Auge gefasst. Es könnte das teuerste Autobahnprojekt Deutschlands werden.

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In Fahrt. SPD und CDU wollen die Stadtautobahn A 100 von Neukölln nach Treptow verlängern. Der weitere Ausbau bis Friedrichshain ist noch nicht konkret geplant.
In Fahrt. SPD und CDU wollen die Stadtautobahn A 100 von Neukölln nach Treptow verlängern. Der weitere Ausbau bis Friedrichshain...Foto: ddp

Kosten von mehr als 500 Millionen Euro für aufwändige Tunnelbauten, eine teils in Betontrögen eingebettete Fahrbahn und komplizierte Auf- und Abfahrten mitten in der Ostcity: Falls das letzte Teilstück der Stadtautobahn A100, der Bauabschnitt 17 vom Treptower Park zur Frankfurter Allee, verwirklicht wird, wäre dies vermutlich das teuerste Autobahnprojekt Deutschlands. Der Abschnitt ist zwar nur drei Kilometer lang, aber er ist kein bisschen weniger umstritten als das vorherige Teilstück Nummer 16 vom Dreieck Neukölln zum Treptower Park, an dem eine geplante rot-grüne Koalition scheiterte. Die künftige rot-schwarze Landesregierung will diesen vorletzten Abschnitt nun endgültig bauen und spricht sich auch „grundsätzlich“ für den Weiterbau über die Spree bis Lichtenberg aus. Dabei muss sie weiterhin mit heftigem Widerstand rechnen.

Umgehend realisieren will Rot- Schwarz nun erst einmal die 3,2 Kilometer lange und 420 Millionen Euro teure Fortsetzung der A 100 vom Dreieck Neukölln bis zur Elsenbrücke am Treptower Park. 2012 sollen die Bauarbeiter anrücken, das Geld vom Bund ist sicher. Dies setzt allerdings voraus, dass die noch anhängigen Klagen von Bürgerinitiativen vom Bundesverwaltungsgericht bis zum Frühjahr abgewiesen werden. Nach der Eröffnung des neuen Teilstücks voraussichtlich nach 2016 könnte es aber erneut Probleme geben. Am Ende der verlängerten Autobahn, also an der Elsenbrücke, befürchten Experten massive Staus an den Abfahrten. Es gebe deshalb keine Alternative zum letzten Abschnitt 17, heißt es: dem Weiterbau über die Spree bis zur Frankfurter Allee.

Die Geschichte der Berliner Stadtautobahnen
Januar 2017, Alltag im Berufsverkehr. Die Stadtautobahn, aufgenommen am Spandauer Damm.Weitere Bilder anzeigen
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17.03.2017 08:24Januar 2017, Alltag im Berufsverkehr. Die Stadtautobahn, aufgenommen am Spandauer Damm.

„Deshalb haben sich SPD und CDU bei ihren Koalitionsgesprächen auch zum Abschnitt 17 bekannt“, sagt die Expertin für Stadtentwicklung der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Ellen Haußdörfer. Man wolle sich aber nun vorrangig auf den Bau des Abschnittes 16 konzentrieren und parallel verfolgen, „wie sich etliche andere, schon geplante verkehrsberuhigende oder -entlastenden Maßnahmen in der Ostcity auswirken“. Möglicherweise sei das letzte A-100-Teilstück dann doch nicht mehr nötig.

Deshalb will die neue Landesregierung dessen Bau noch nicht konkret planen lassen und auch die Finanzierung noch nicht endgültig absichern. Woher die veranschlagten 500 Millionen Euro kommen sollen, ist bislang offen. Die einzigen bisher vorliegenden Pläne stammen aus dem Jahre 1995. Danach führt die A 100 über die verbreiterte Elsenbrücke sowie im Trog bis Alt-Stralau und unterquert von dort aus im Tunnel die Stadt bis zur Ausfahrt „Frankfurter Allee“. Weil sie auch unter dem Bahnhof Ostkreuz hindurchführt, werden bei dessen Ausbau schon jetzt mehr als 16 Millionen Euro für den späteren Weiterbau der A 100 investiert. Es entstehen „vorbereitende Bauten für die Untertunnelung“, heißt es. Für die Befürworter des Weiterbaus ist dies ein „wichtiges Argument“. Bei einem Verzicht wäre die riesige Summe „aus dem Fenster geworfen“, sagen sie.

Die Gegner vom Bündnis „A 100 stoppen“ lehnen diese „absurde Zwangslogik“ ab, sagt ihr Sprecher Tobias Trommer. Die Autobahn zerstöre die Lebensqualität in den Kiezen und schaffe an der Frankfurter Allee die gleichen Probleme, die man jetzt an der Elsenbrücke fürchte. „Dort ergießt sich der Verkehr dann mit Staus in die Stadt.“ Deshalb wollen die Gegner am 21. November vor dem Landesparteitag der SPD erneut demonstrieren.

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