Ausbau des Sprachenangebots : Berliner Schüler sollen Arabisch lernen können

Rot-Rot-Grün will die Mehrsprachigkeit stärken - auch um die Integration zu verbessern. Graefe-Sekundarschule und Lemgo-Grundschule sollen deutsch-spanische Europaschulen werden.

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Viel vor hat Rot-Rot-Grün für die Bildung in den nächsten fünf Jahren.
Viel vor hat Rot-Rot-Grün für die Bildung in den nächsten fünf Jahren.Foto: picture alliance / dpa

An Berliner Schulen soll das Sprachangebot ausgebaut werden, das hat sich Rot-Rot-Grün vorgenommen. In der Koalitionsvereinbarung werden explizit Arabisch, Türkisch, Kurdisch und „osteuropäische Sprachen“ genannt, die gefördert werden sollen. Es gibt offenbar auch Überlegungen, eine staatliche deutsch- arabische Schule nach Vorbild der Europaschulen aufzubauen. Das wollte die Bildungsverwaltung am Dienstag nicht kommentieren. Senatorin Sandra Scheeres (SPD) teilte stattdessen mit, dass es zwei neue deutsch-spanische Europaschulen in Kreuzberg geben wird: die Graefe-Sekundarschule (ab 2017/18) und die Lemgo-Grundschule (ab 2018/19).

Das Vorhaben der Koalition, die Mehrsprachigkeit zu stärken, geht auf eine Forderung der Grünen zurück. „Das ist ein wichtiger Schritt für mehr Bildungsgerechtigkeit und kann den Lernerfolg vieler Schüler verbessern“, sagt die Grünen-Bildungsexpertin Stefanie Remlinger. Bisher erlebten Schüler arabischer oder türkischer Herkunft oft, dass ihre Muttersprachen stigmatisiert und andere Fremdsprachen gesellschaftlich und schulisch mehr geschätzt würden. „Viele Familien fühlen sich dadurch benachteiligt. Ein Ausbau der Mehrsprachigkeit kann zur besseren Integration beitragen.“

Ein fertiges Modell für die Stärkung der Mehrsprachigkeit gibt es noch nicht. Bei Kurdisch etwa könne man „niedrigschwellig“ anfangen, zum Beispiel in Form einer AG, schlägt die Grüne Remlinger vor.

Sechs Grundschulen unterrichten bereits Arabisch

Arabisch wird bereits unterrichtet, allerdings bisher nur an vier staatlichen und zwei privaten Grundschulen. Ein Angebot ab Klasse 7 gibt es nicht. Die vier staatlichen Schulen bieten das Projekt „Muttersprache Arabisch“ an, das seit 2015 an der Wedding-Grundschule, der Fliederbusch-Grundschule in Neukölln, der Carl-Bolle-Grundschule in Tiergarten und der Erika-Mann-Schule in Wedding läuft. 159 Kinder arabischer Herkunft lernen in zwei zusätzlichen Unterrichtsstunden ab der ersten Klasse Schreiben und Lesen in ihrer Muttersprache.

„Wir beobachten in unserem Weddinger Kiez oft eine doppelte Halbsprachigkeit, die Kinder können also weder gut Deutsch noch gut Arabisch“, sagt die Schulleiterin der Erika-Mann-Schule, Birgit Habermann. „Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, die Kenntnisse der Kinder in ihrer Muttersprache zu stärken, und die Familien erleben es als eine Form der Wertschätzung.“

Für Türkisch gibt es ein solches Programm schon – die sogenannte „Zweisprachige Erziehung“ (Zwerz) wurde Anfang der 1990er Jahren an 14 Schulen eingeführt. Der Erfolg des Programms ist allerdings zweifelhaft, denn inzwischen sind nur noch vier Schulen dabei, zuletzt stieg die Spreewald-Schule in Schöneberg aus.

Das liegt vor allem daran, dass es zu wenig Nachfrage gibt. Für die Schüler ist es mit einem hohen Aufwand verbunden – bis zu fünf Stunden Zusatzunterricht schon für Erstklässler. Außerdem fehlen Anschlussprogramme an den Oberschulen. Neun Sekundarschulen und zwei Gymnasien bieten zwar Türkisch an, aber weil keine Sprachkenntnisse vorausgesetzt werden, haben die Zwerz-Schüler kaum Vorteile.

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