Ausbildung : Durchhalten lernen

Die FG Bau plant ein Lehrinternat für schwer vermittelbare Jugendliche. Dort sollen sie lernen, sich durchzukämpfen und nicht gleich aufzugeben. Und sie werden zu Zimmerleuten, Stuckateuren und Maurern ausgebildet.

Rita Nikolow

BerlinDie Fachgemeinschaft (FG) Bau will schwer vermittelbaren Jugendlichen eine letzte Chance auf einen Ausbildungsplatz geben: mit einem Lehrinternat, in dem die Jugendlichen während ihrer Ausbildung leben sollen. Mit ihren Mitgliedsfirmen bildet die FG Bau, die Interessenvertretung der mittelständischen Bauwirtschaft in Berlin und Brandenburg, 300 Jugendliche in Bauberufen aus, unter anderem zu Zimmerleuten, Stuckateuren und Maurern.

"Wenn diese Jugendlichen nach vielen Rückschlägen endlich eine Lehrstelle bekommen haben, fällt es ihnen häufig schwer, die Ausbildung durchzuhalten", sagt Wolf Burkhard Wenkel, Hauptgeschäftsführer der FG Bau. Jeder Vierte bricht die Ausbildung vorzeitig ab – und vertut damit wohl die letzte Chance auf ein geregeltes Berufsleben und ein eigenes Einkommen. "In Berlin gibt es knapp 30.000 Jugendliche zwischen 18 und 25 Jahren, die nichts haben", sagt Wenkel. Das bedeutet: keine Ausbildung, keinen Job. Wenkel sieht darin "sozialen Sprengstoff“, den die FG Bau mit dem Lehrinternat zu entschärfen sich vorgenommen hat.

Mit dem Internat will der Verband die Ursachen für das mangelnde Durchhaltevermögen bekämpfen: "Die Azubis müssen raus aus den schwierigen Milieus“, sagt er. Denn in ihren Kiezen würden sie oft mit der Frage konfrontiert, warum sie denn überhaupt arbeiten gehen oder eine Ausbildung machen. Im Lehrinternat sollen Berliner und auch Brandenburger Jugendlichen Disziplin, Pünktlichkeit und frühes Aufstehen lernen. Dabei setzt die FG Bau vor allem auf den Vorbildcharakter der erfahrenen Meister, die die Jugendlichen auch mal "etwas härter anfassen“. "Die Jugendlichen wollen klare Konsequenzen für ihr Handeln sehen,“ sagt Wenkel. "Die möchten wissen: Was mache ich, werde ich gebraucht und anerkannt?“. Und ab und zu bräuchten sie auch einen "Tritt in den Hintern“.

Man biete den Jugendlichen die Möglichkeit, sich in ein bürgerliches Leben zu integrieren. Die engen Beziehungen der FG Bau zu ihren 900 Mitgliedsbetrieben machen Wenkel zuversichtlich, dass die Unternehmen erfolgreiche Absolventen des Projekts hinterher auch einstellen.

Als Internatsgebäude ist das frühere Lehrlingsheim der FG Bau neben ihrem Bauhof in der Marienfelder Belßstraße vorgesehen. Auch in ihrer Freizeit sollen die Jugendlichen dort intensiv betreut werden, unter anderem durch Sozialarbeiter. "Die Azubis müssen begreifen, dass ein geregeltes Leben nicht unvernünftig ist“, sagt Wenkel. Im Sommer will er das Projekt Lehrinternat gerne mit einer ersten Gruppe von 20 Azubis verwirklichen, der dann schnell weitere folgen sollen.

Die Senatsbildungsverwaltung und die Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit stehen der Idee positiv gegenüber. Olaf Möller, Sprecher der Regionaldirektion, bezeichnet die Ausbildungsinternate als ein "interessantes Projekt“. Die Jobcenter prüften derzeit, ob es Bedarf gebe - ob also geeignete Kandidaten zu finden sind, die charakterlich und von ihrem Lebenslauf her für das Projekt geeignet sind. Unterstützung für das Projekt kommt indirekt auch von Seiten des Bundes: Am Mittwoch hat das Bundeskabinett beschlossen, für schwer vermittelbare Jugendliche einen Ausbildungsbonus zwischen 4000 und 6000 Euro zu bezahlen.

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