Ausbildung : Kein Migrant lernt bei der Feuerwehr

Berlins öffentlicher Dienst wirbt um Auszubildende - doch die Ergebnisse sind enttäuschend. Besonders schlecht sieht es bei der Feuerwehr aus.

Sigrid Kneist,Jörg Oberwittler
Feuerwehr
Brennendes Problem: Bei der Feuerwehr haben Migranten wenig Chancen. -Foto: ddp

Vor gut einem Jahr startete der Senat die Kampagne „Berlin braucht dich!“, die Jugendliche mit Migrationshintergrund motivieren sollte, sich beim öffentlichen Dienst zu bewerben. Der Aufruf ist aber bei der Zielgruppe nicht angekommen. Die Resonanz war nur verhalten, die Bewerberzahlen stiegen nicht. Lediglich zehn Prozent der 2200 Schulabgänger, die sich jetzt auf Ausbildungsplätze bei der Senats- und der Bezirksverwaltung beworben hatten, haben einen Migrationshintergrund. Das ist nur unwesentlich höher als der aktuelle Anteil der Migranten bei den öffentlichen Auszubildenden, der bei neun Prozent liegt. In der Stadt haben nahezu 25 Prozent der Berliner einen Migrationshintergrund.

Besonders schlecht sieht es bei der Feuerwehr aus. In diesem Jahr wird kein Bewerber aus der Zielgruppe seine Ausbildung zum Brandmeister antreten. Vor allem an der theoretischen Prüfung, die sich an dem Niveau der Hauptschulabschlussklassen orientiert, seien die Bewerber gescheitert, sagt Ralph Kuklies, Leiter des Ausbildungsbüros. Bereits der Anteil an den Bewerbungen liegt unter fünf Prozent. Eine Hürde für eine Laufbahn bei der Feuerwehr sei, dass man bereits über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen muss. Bei der Polizei versucht man seit einiger Zeit, den Anteil der Polizisten mit Migrationshintergrund zu steigern. Derzeit sind es lediglich 150 der 17 000 Polizisten. Im Frühjahr wurden acht von 60 Ausbildungsplätzen als Schutzpolizisten mit Migranten besetzt. Für weitere 366 Ausbildungplätze bei Schutz- und Kriminalpolizei haben sich 700 Migranten beworben, was einer Quote von 8, 7 Prozent bei den Bewerbungen entspricht. Die Stellen sind noch nicht besetzt.

Wie viele Schulabgänger im Berliner öffentlichen Dienst tatsächlich zum Herbst eingestellt werden, lässt sich in den meisten Verwaltungsbereichen nicht sagen, da in den insgesamt 40 Dienststellen die Auswahlverfahren noch laufen. In der Innenverwaltung allerdings weiß man schon, dass zwölf der 51 Auszubildenden einen Migrationshintergrund haben werden. In Friedrichshain-Kreuzberg mit der bisher höchsten Quote sieht es so aus, als ob der bisherige Anteil von immerhin knapp 40 Prozent Migranten unter den insgesamt 24 Auszubildenden erreicht werde. Aus anderen Bezirken liegen keine Meldungen vor. Hier schwanken die Migrantenquoten aber beträchtlich. In Marzahn-Hellersdorf gab es 2006 keinen, in Tempelhof-Schöneberg lag die Quote bei 4,6 Prozent, in Mitte bei 6,7 Prozent und in Steglitz-Zehlendorf bei 19,4 Prozent. Laut Integrationssenatorin Heidi Knake-Werner (Linke) ist die Quote in allen Bezirken seit 2004 von acht auf 12,3 Prozent gestiegen, was sie als ersten Erfolg bezeichnet.

Auch wenn die Bewerberzahlen nicht gestiegen sind, bewertet der Integrationsbeauftragte Günter Piening die Kampagne positiv. Teilweise hätten sich halbe Klassenverbände beworben. Safter Cinar vom Türkischen Bund hält die Aktion vor allem aus „atmosphärischen Gründen“ für wichtig, da sie direkt junge Migranten anspricht. Die mangelnde Resonanz erklärt er damit, dass für viele dieser Jugendlichen staatliche Einrichtungen nicht besonders attraktiv seien und teils einen schlechten Ruf haben. Für Bilkay Öney, integrationspolitische Sprecherin der Grünen, ist die Aktion kaum mehr als „eine gute Absichtserklärung“. Wenn man den Migrantenanteil ernsthaft erhöhen wolle, müsse man sich eine Mindestquote zum Ziel setzen. Bisher verzichtet Berlin auf eine Quote. (Meinungsseite)

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