Ausbildungsmarkt : Der Mittelstand bietet mehr Lehrstellen an

Dennoch sind 5000 Schulabgänger ohne Ausbildungsplatz. Die Gewerkschaft schätzt, dass tatsächlich 2000 weitere Jobs fehlern.

Hannes Heine

Die Lage auf dem Berliner Ausbildungsmarkt entspannt sich. Pünktlich zum Beginn des Ausbildungsjahres erwarten die Arbeitsagenturen weniger junge Erwerbslose als bisher. Waren im vergangenen Jahr noch rund 38 000 Berliner unter 25 Jahren arbeitslos gemeldet, sind es momentan 30 000. Zwar suchen offiziell noch knapp 9000 Schulabgänger eine Lehrstelle, da aber 3700 Ausbildungsplätze unbesetzt sind, rechnen Arbeitsmarktexperten mit weniger Jugendlichen ohne Lehrstelle als im vergangenen Jahr.

„Der Mittelstand bildet mehr aus als bisher“, sagt Olaf Möller, Sprecher der Arbeitsagentur Berlin-Brandenburg. „Es gibt einen leichten Aufwärtstrend.“ So konnte die Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) bis Ende Juli im Vergleich zum Vorjahr neun Prozent mehr Ausbildungsplätze anbieten. „Das ist ein klares Signal, dass die konjunkturelle Erholung in Berlin auf dem Ausbildungsmarkt angekommen ist“, teilte IHK- Hauptgeschäftsführer Jan Eder mit. Auch bundesweit lag die Zahl der unversorgten Bewerber nach Auskunft der Bundesarbeitsagentur unter den Werten der vergangenen Jahre, während die Zahl der freien Stellen höher sei.

Zu Beginn des Ausbildungsjahres 2006 hatten 5600 Berliner Schulabgänger keine Lehrstelle gefunden. Dieses Jahr werden allerdings immer noch rund 5000 Schulabgänger übrig bleiben. Kritiker bemängeln, dass viele Schulabgänger an Weiterbildungsmaßnahmen teilnähmen – sie tauchen in der Statistik dann teilweise nicht mehr als ausbildungsplatzsuchend auf. Zu der offiziellen Zahl der unvermittelten Lehrstellenbewerber kämen dadurch noch 2000 Jugendliche hinzu, schätzt der Deutsche Gewerkschaftsbund. Nur noch jeder fünfte Berliner Betrieb bilde überhaupt aus. Gerade große Unternehmen stellten verhältnismäßig wenig Lehrlinge ein.

Die IHK plant angesichts der Lehrstellenlücke für Ende Oktober eine Nachvermittlungsaktion für Lehrstellensuchende. Zusammen mit den Arbeitsagenturen solle allen ausbildungswilligen und -fähigen Bewerbern ein Angebot unterbreitet werden. Neben der betrieblichen Lehre gebe es auch noch Plätze für schulische Ausbildungen, heißt es aus den Jobcentern. „Rein rechnerisch gibt es für jeden Bewerber eine Stelle“, sagt Möller.

Rund 35000 Berliner Jugendliche hatten vor rund zwei Monaten mit einem Abschluss in der Tasche die Schule für immer verlassen.

Vom 15. bis 25. Oktober findet die Nachvermittlungsaktion für Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, statt. Jeder Lehrstellensuchende erhält per Post eine schriftlichen Einladung.

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