Berlin : Ausflug über den Weißwurstäquator

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Sie ist Kult, verkörpert bajuwarische Lebensart und darf auf dem Münchner Oktoberfest genauso wenig fehlen wie auf einem „Bavarian Evening“ in New York: die Weißwurst, vulgo: Weißwurscht. 150 Jahre alt ist sie geworden, und das wollte auch die Bayerische Landesvertretung zünftig feiern. Gestern lud Emilia Müller , bayerische Staatsministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, zu einer „Cabaretistischen Weißwurst-Tafelrunde“ in die Landesvertretung ein. Da durfte freilich auch der CSU–Bundeswirtschaftsminister Michael Glos nicht fehlen. Obwohl, wenn man es genau nimmt, müsste er der Weißwurst fast böse sein: Sie ist zwar weltweit beliebt, aber sie verkörpert auch eine bestimmte territoriale Abgrenzung zu Preußen. Das ist der Weißwurstäquator, der entlang der Donau verläuft. Genau genommen ist der Michael Glos nämlich Unterfranke und laut Äquator schon ein gebürtiger Preuße.

Gestern aber waren die regionalen Unterschiede nicht so wichtig. CSU-Bundestagsabgeordnete und Botschafter aßen vereint Weißwürscht, Brezn, süßen Senf, tranken Weißbier und lauschten dem Kabarettprogramm von Jörg Maurer und Ludwig Margraf, Metzgermeister und Wurstkenner. Ein Insider sozusagen, der auch bei beim Anblick von Innereien nicht mit der Wimper zuckt. Gewöhnungsbedürftig ist die Vorstellung schon, neben Kalbfleisch, Schweinespeck, Zwiebeln, Petersilie, Gewürzen auch Häutelzeug wie Kalbskopfhaut zu verzehren. Egal: Die Weißwurst bleibt Kult. Essen würde sie ein Bayer auch nie abends, sondern nur vor 12 Uhr mittags. Denn sie ist eine Brotzeit, keine Mahlzeit. Da macht der Bayer einen feinen Unterschied. sib

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