Ausflugstipps für Brandenburg : Beim Polo zuschauen und lecker essen

Eine halbe Stunde von Berlin, auf dem Landgut Schönwalde, kann man beim Polo zusehen – oder einfach ausspannen und gut speisen.

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Brandenburg hat viel zu bieten. Auf dem Bild sieht man den Park Wiesenburg. Wir haben noch ein paar Tipps mehr.
Brandenburg hat viel zu bieten. Auf dem Bild sieht man den Park Wiesenburg. Wir haben noch ein paar Tipps mehr.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Die Anfahrt zum Landgut Schönwalde von Berlin aus fühlt sich nicht an wie eine Reise, auch nicht wie eine Landpartie. Kaum 30 Minuten braucht man von der Innenstadt bis Schönwalde-Glien. Doch von Nähe zu Berlin ist hier nichts zu spüren. Man wähnt sich irgendwo im Nirgendwo und sortiert das Ensemble aus historischem Gutshaus, Scheune und modernem Holzhaus, vor dem eine Gruppe Pferde auf einer Koppel weidet, vorsorglich in die Geheimtipp-Schublade.

Dass es hier etwas zu entdecken gibt, ist Inge Schwengers Verdienst. Vor zehn Jahren übernahm sie zusammen mit ihrem Mann das 17 Hektar große ehemalige Rittergut aus dem 15. Jahrhundert und richtet es seitdem peu à peu wieder her: Das denkmalgeschützte Herrenhaus dient als Eventlocation, es gibt einen modernen Stall, ein kleines Gewächshaus und seit 2012 auch einen kubischen Holzbau, der als Gästehaus mit vier unterschiedlich gestalteten Apartments samt Restaurant genutzt wird.

In der Küche steht mit Isabel Remuß ein Talent am Herd, eine Köchin, die in guten Häusern gelernt hat, und eine selbstbewusste Regionalküche vertritt: wenige Gerichte, eine scheinbar einfache, aber akkurate Zubereitung aus Produkten, die von Nachbarn, Freunden oder vom eigenen Hof stammen. „Märkisches Grünzeug von unseren Wiesen“ mariniert sie roh mit Melissen-Dressing und komplettiert es mit „pochiertem Ei aus dem Dorf“. Von dort stammt auch der „Dorfgockel von unserem Bauern Olaf nebenan“, mal gebraten, mal als Suppe oder Frikassee serviert. Und seit letzter Woche gibt’s auch wieder Allerlei aus dem Räucherofen. Dass das Restaurant den Charme eines Eiscafés hat, vergisst man bei dieser beherzten Küche schnell, zumal man wieder in der Sonne sitzen kann mit Blick auf die Koppel.

Poloturniere auf einer riesigen Wiese

Inge Schwenger hat das Landgut nach und nach auch in einen Pferdehof verwandelt. Fast 20 Poloponys leben auf dem Hof, und regelmäßig trifft sich hier der Berliner Poloclub zum Training und zu Turnieren. Zuschauer sind gern gesehen, Mitspieler auch. Wer schon sattelfest ist, erlernt hier die Mischung aus Reiten und Hockey erst auf einem Holzpferd, dann auf Poloponys, die gar nicht so klein sind wie ihr Name klingt. Selbst Kinder werden an die Sportart Polo herangeführt, dann aber auf wirklich kleinen Ponys.

Ausritte und klassische Reitkurse kann man auf dem Landgut Schönwalde in jedem Alter buchen. In Schnupper-Reitkursen werden Anfänger behutsam an den Reitsport herangeführt. Die Poloturniere werden auf einer riesigen Wiese ausgerichtet, die man erst entdeckt, wenn man Gast- und Herrenhaus hinter sich gelassen hat: Von dichten Wäldern gesäumt liegt sie da, gut fünf Fußballfelder groß. Inge Schwenger nimmt sich gern Zeit, ihre Gäste über die weitläufige Anlage zu führen. Dabei erzählt sie viel von den Böden, die durch jahrzehntelange extensive Landwirtschaft ausgelaugt wurden und nur durch Überdüngung überhaupt noch Erträge abwarfen. Sie versucht nun nach und nach, die Böden zu kurieren.

Dabei hatte ihre Ausbildung nichts mit Landwirtschaft zu tun. Sie studierte Medizin, Tiermedizin und Geschichte, eröffnete 1997 eine Klinik in Berlin und wurde 2003 von einem Champagnerhaus als „Unternehmerin des Jahres für innovative Managementleistungen“ ausgezeichnet. Mit ihrer neuen Firma Brainstep ist sie immer noch so etwas wie ein Doktor, nur eben für Böden.

Die Arbeit mit Pferden, der Poloclub, die Pflege des Bodens und des historischen Landgutes, das alles liegt in ihren Händen, eine unprätentiöse Anpackerin und eine sympathische Erklärerin. Ihre Wurzeln liegen im Ruhrpott und es scheint, als hätte sie sich trotz Karriere Bodenständigkeit und Kumpelseele bewahrt. Wer das Landgut Schönwalde besucht, egal ob zum Ausspannen, Reiten, oder einfach nur, um gut zu essen, wird merken, dass dieser Ort so besonders ist, weil sie ihn geprägt hat.

Schönwalde-Glien (Havelland), Dorfstraße 31. www.daslandgut.de

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