Berlin : Ausgebrummt

Einen Sommer lang haben sie das Stadtbild geprägt – nun verlassen die 123 Buddy-Bären Berlin

Lothar Heinke

Die Bären ziehen davon. Der Kreis der 123 bemalten Berliner Wappentiere auf dem Gelände der neuen US-Botschaft am Pariser Platz löst sich auf. Montag ist der letzte Bären-Tag. Dann werden die bunt bemalten Tierfiguren in Kisten gepackt und mit Lastwagen ins österreichische Kitzbühel gebracht. Der Center Court des dortigen Tennisclubs ist der neue Ort der 123 aufrechten Bären, die sich symbolisch die Tatzen reichen, um Solidarität, Toleranz und Völkerverständigung zu demonstrieren. „Wir glauben, dass jeder diese Botschaft verstanden hat“, sagen die Initiatoren Eva und Klaus Herlitz, „wir müssen uns besser kennen lernen, dann können wir uns besser verstehen. Das war der Sinn der Sache“.

Über eine Million Menschen haben die Bären beguckt, nirgendwo klickten in diesem Sommer mehr Fotoapparate als rund um den Tierkreis am Brandenburger Tor. Ausländische Berlin-Besucher diskutierten am Beispiel des Bären aus ihrem Land, ob der Künstler das wirklich Typische auf den Buddy- Leib gemalt hat. Schulklassen kamen mit Zeichenblöcken und dicken Filzstiften, Erdkundestunden wurden an die Behrenstraße verlegt. Promis schauten vorbei, nachdem Unicef-Botschafter Sir Peter Ustinov Ende Juli den Kreis der „United Buddy Bears“ eröffnet hatte. Unter den Gästen war der Schauspieler Jackie Chan, der in China wie ein Nationalheld vergöttert wird und der internationalen Bären-Familie nun den Weg ins Reich der Mitte ebnen will.

Von Kitzbühel aus gehen die Tiere auf Welttournee, im April 2004 soll der Bärenkreis im Millennium-Monument von Peking stehen, danach in Shanghai für Toleranz und Völkerfreundschaft werben. Weitere Länder könnten Italien, die Schweiz, Südafrika, Iran, Jordanien, Russland, Japan und die USA sein. Herlitz sieht seine Bärenparade auch als Berliner Gruß an den Rest der Welt, ganz im Sinne von Klaus Wowereit, der meint, „die Buddys stehen für eine Stadt, die sich durch Vielfalt und Weltoffenheit auszeichnet“. Übrigens wurde Herlitz als Geschäftsführer der Buddy Bär Berlin GmbH (BBB) von vielen unterstützt: So beteiligten sich Botschafter zahlreicher Länder an der Suche nach geeigneten Künstlern zum Bemalen der Tiere; Lufthansa und Air Berlin flogen die Damen und Herren kostenlos nach Berlin; der Hotelverband sorgte dafür, dass Mitgliedshäuser auswärtigen Malkünstlern günstige Betten boten.

In Wien kamen sie heuer auf eine ähnliche Idee. Dort stehen bemalte Pferde in den Straßen der Stadt. Und Herlitz schickte 24 Bären-Rohlinge zum Zwecke der Bemalung nach Shanghai zu einer Kunstmesse mit dem Schwerpunktthema Deutschland.

Vielleicht vermissen wir die bunten Berliner Bären eines Tages. Das ahnt wohl der Direktor des Jüdischen Museums, Michael Blumenthal, und ließ sich einen Bären in seinem Privathaus aufstellen. Auf die weiteste Reise ging ein Buddy, der in einem Vorgarten in Melbourne für Berlin wirbt. Kleinere „Bärenkinder“, die es bemalt und poliert in 27 Varianten zu kaufen gibt, sind mittlerweile als handliches Souvenir recht gefragt und wohl auch ein gutes Geschäft: Klaus Herlitz hat die Rechte an den aufrecht stehenden Länder-Bären, und er freut sich, dass sie unbeschadet durch den Berliner Sommer gekommen sind. Keine Farbe floss mit dem Schweiß davon, kein Graffiti verunziert das Bärenkunststück. Nur Nancy Torres, die ihrem Kuba-Bär eine Havanna in die Schnute gesteckt hat, musste immer wieder neue Zigarren besorgen.

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