Berlin : Ausgeglitten

Bernd Matthies

über den Streit um die Stechuhr für Finanzbeamte Kaum vorstellbar, dass Finanzsenator Sarrazin einfach nur so ein paar Euro lockermacht. Rückt er gleich 614000 heraus, dann wird man vermuten dürfen, dass er das Dreifache zurückerwartet. Was also bringt die Einführung der Stechuhr in den Finanzverwaltungen? Und warum wehren sich die Personalräte so heftig dagegen?

Etwa eine Minute pro Nase und Tag soll gespart werden, wenn die Finanzbeamten keine Gleitzeitbögen mehr ausfüllen, sondern nur noch Chipkarten hinhalten. Aufregend klingt das nicht. Wir werden also argwöhnen dürfen, dass mehr dahinter steckt: Auch Finanzbeamte sind nur Menschen, und es liegt nahe, dass mancher beim Ausfüllen des Gleitzeitbogens ausgleitet. Das sagt Sarrazin so allerdings nicht. Und auch der Personalrat spielt nicht mit offenen Karten, wenn er den Widerstand allein auf die Anschaffungskosten reduziert. Denn er versteht wohl richtig, dass die Mitarbeiter straffer an die Kandare genommen werden sollen, und das schmeckt ihnen nicht.

Aus Sicht des Steuerzahlers hat der Senator vermutlich Recht. Es würde der Debatte nützen, wenn er seine Argumente alsbald präzisiert. (Seite 10)

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