Berlin : Ausgepfiffen

Die Orgel der Gedächtniskirche wird saniert. Auch im Dom rücken Fachleute an

Aliki Nassoufis

Von heute an ist es still in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche: Die Orgel wird restauriert. „Das ist dringend notwendig geworden“, sagt Organist Helmut Hoeft. Noch ist zwar nichts richtig kaputt. Doch die Motoren in der Orgel lärmen, beim Spielen ertönt auch immer ein störendes Klacken. Also müssen die Motoren erneuert werden. Genauso die Tasten, die Pedale und vor allem die etwa 300 Metallzüge. Sie verbinden die Tasten mit den rund 6000 Pfeifen und sind ausgeleiert. „Das ist mit einer verschlissenen Autokupplung vergleichbar“, sagt Hoeft. Bei der Orgel führt dies dazu, dass die Töne nur verzögert erklingen.

„Unsere Orgel ist eines der meist bespielten Instrumente Deutschlands“, sagt Kirchenmusiker Hoeft. Täglich drei Andachten, Konzerte und Gottesdienste an den Wochenenden und die Übungsstunden der Organisten – dennoch wurde die Orgel seit ihrer Erbauung 1962 nicht restauriert. Insgesamt werden diese Reparaturen nun 220000 Euro kosten. In Benefizkonzerten sammelte die Gemeinde bereits 80000 Euro Spenden,doch noch immer fehlt ein beträchtlicher Spendenanteil . Repariert wird trotzdem. Da die Orgel in dieser Zeit allerdings nicht bespielbar ist, wird sich die Gemeinde mit einem kleinen Ersatzinstrument aushelfen. Hoeft hofft aber, dass er Ostern wieder spielen kann.

Schon in neuem Glanz zeigt sich die kleine Schuke-Orgel des Berliner Doms. Die silberfarbenen Pfeifen sind gesäubert, das Kiefernholz poliert. Vor Weihnachten wurde das Instrument fünf Wochen lang für 25000 Euro restauriert. „Die Orgel war nicht mehr bespielbar“, sagt Domkuratorin Margrit Hilmer. Die 1092 Holz- und Zinkpfeifen waren defekt, auch die Ventile und die Elektrik brauchten eine Wartung. Außerdem wurde die neobarocke Orgel wegen des besseren Klangs weiter in den Raum platziert. Als erstes Instrument der Potsdamer Firma Schuke nach dem Zweiten Weltkrieg war die Orgel im Jahr 1946 gebaut worden. 1972 wurde sie von der Gruftkirche des Doms in die Tauf- und Traukapelle umgesetzt. Seither wurde sie nicht mehr restauriert.

Auch der Hauptorgel des Doms steht eine Instandsetzung bevor. Ab Januar 2006 soll sie drei Monate repariert werden. Unter anderem wurde für die 1905 erbaute Orgel mit den 7256 Pfeifen Ziegenleder verwendet, das nun spröde ist. Etwa 200000 Euro kostet das Ganze, die Hälfte der Summe soll durch Spenden hereinkommen. Im Jahr des 100. Geburtstags des Doms – Einweihung war am 27. Februar 1905 – soll verstärkt Geld gesammelt werden.

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