Berlin : Ausgerechnet a cappella

Die Jungs von Pitch Pipe Project wollen Popstars werden – ohne Instrumente

G,a Bartels

„Stellt euch mal hin wie ’ne A-cappella- Band“, sagt die Fotografin arglos und erntet nichts als Entrüstung. Die fünf Sänger der in Kleinmachnow gegründeten Band „Pitch Pipe Project“ wollen auf keinen Fall was mit den gängigen Vokalmusik-Klischees zu tun haben. „Wir tragen keine Fräcke, sondern trinken Alkohol und machen Pop ohne Instrumente!“

Warum sie sich ausgerechnet dieses durch zahllose verfettete Tenöre verseuchte Musikgenre rausgesucht haben? „Weil wir was zu sagen haben“, meint Jonas Harder, 24. „Und weil die Musik Spaß macht, auch ohne harte Gitarrenriffs im Hintergrund“, ergänzt Niko Heiber, 21. Seit vier Jahren singen sie nun mit Rob Lehmann, 27, und Albrecht Philipp, 23, zusammen. Im Januar ist der neue Bass Jan Schindewolf, 21, dazugekommen. „Das ist jetzt unsere endgültig Besetzung, na, jedenfalls die vorläufig endgültige.“ Was die Jungs werden wollen? „Germanys next Topmodel! Schön! Reich! Popstars!“ – die Blödelantworten schwirren nur so durch den Raum.

Der ist winzig klein, stickig, fensterlos und kostet 200 Euro Miete im Monat: ein Probenbunker an einer Ausfallstraße in Rudow. Von nebenan dröhnen Schlagzeugbeats und Gitarrengeschrammel durch die Wand. Vor dem Auftritt in der Kalkscheune am Mittwoch ist täglich Proben angesagt.

Die Jungs treten regelmäßig in der Region und kreuz und quer in Deutschland auf, besuchen Radiosender, singen auch mal in Wien oder vor 7000 Leuten bei einem Alba-Spiel in der Max-SchmelingHalle. Universal verlegt inzwischen ihre selbst geschriebenen Songs. Wer die schlauen und ausgesprochen witzigen Texte schreibt? „Ich, ich, ich“, schallt es erst aus der fidelen Runde. Aber dann outet sich Rob Lehmann als Haupttexter. Der stille, schmale Nachdenkliche also? „Ja“, nickt er grinsend, „ich bin der romantische Träumer der Band.“

Die Songs wie „Boygroup“ mit dem Refrain „Kommt, wenn möglich bald / in einem Jahr sind wir zu alt“ sind selbstironisch oder provokant wie der Anti-Ostalgie-Song „Kleiner Jungpionier“. Musikalisch plündern sie von Country bis Hiphop alle gängigen Beats und basteln daraus ihren mehrstimmigen, rhythmischen Sound. Weitere besondere Kennzeichen? „Ja, wir sind keine von diesen Scheißbands, die dauernd über Liebe singen“, platzt Tenor Jonas raus.

Auf dem Konservatorium war keiner der fünf Jungs, die inzwischen fast alle in Berlin leben. Sie seien alle mit Musik aufgewachsen, hätten in Chören gesungen, privat Instrumente gelernt oder Musikschulen besucht, „aber sonst sind wir eher naturwissenschaftlich aufgestellt“. Immerhin studierten zwei von ihnen Medizin und einer Chemie.

Proben und Auftritte klappen trotzdem. Dass sei ja gerade das Schöne am A-cappella-Singen, meinen die fünf, dass man überall ohne großen Aufwand ein Liedchen trällern könne. „Ob im Radio oder als Werbung für den eigenen Gig mal eben kurz nachmittags am Brandenburger Tor.“

In der Kalkscheune singen sie mit Headsets und technischen Spielereien. Ob das eher Mädchen oder Jungs cool finden? Beide, sind alle überzeugt. Bariton Albrecht meint, es sei Musik für Metrosexuelle. Und das Beste ist laut Jan: „Wir gefallen der Tochter und der Mutti.“

Pitch Pipe Project spielen am Mittwoch, 21 Uhr, in der Kalkscheune – Johannisstraße 2 in Mitte. Karten an der Abendkasse kosten 15 Euro.

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