Berlin : Ausgesprochen ausgelassen

Der Berliner Presseball gilt als glamourfrei. Da feiert es sich hervorragend

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Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm ist bekannt für seine markigen Sprüche. Manche tun ihm hinterher leid. Aber was er Sonntagfrüh beim Verlassen des Ritz-Carlton sagte, blieb unwidersprochen: „Ist doch schön, wenn man einfach mal fröhlich sein kann.“ Mehr als 1000 Gäste waren zur 108. Ausgabe des Berliner Presseballs in das Hotel am Potsdamer Platz gekommen, und die meisten waren wie Schönbohm: einfach mal fröhlich.

Vielleicht lag es an der brummenden Wirtschaft, die auch den Verlagshäusern und deren Angestellten gut tut. Oder daran, dass der Berliner Journalisten-Verband, Ballveranstalter und noch vor einem Jahr tief zerstritten, sich langsam wieder einig wird. Möglicherweise lag es auch daran, dass der Berliner Presseball trotz aller Unkenrufe immer noch ein Großereignis der Stadt ist. Kein so strahlendes wie der Bundespresseball, der vor sieben Jahren von Bonn nach Berlin kam. Und ohne Superpromis, Supermodels und Superluder. Als Alexander Kulpok , abgelöster Vorsitzender des Berliner Journalisten-Verbands, einem Bekannten den Weg zu seinem Tisch beschreiben wollte, orientierte er sich an dem vorhandenen Promi-Material. „Wir sitzen hinten beim Benneter.“ Also Klaus-Uwe Benneter , Ex-SPD-Generalsekretär, heute für Steglitz-Zehlendorf im Bundestag. In früheren Jahren hätte es wohl „hinten beim Bundespräsidenten“ oder „gegenüber vom Außenminister“ geheißen.

„Erfrischend ausgelasssen“ fand Radiomoderator Thomas Koschwitz die Atmosphäre. „Es macht sich bezahlt, dass die wegbleiben, die sich ganz wichtig fühlen und denen es nur um Fassade geht.“ Kleiner Nachteil für ihn: Diesmal gehörte er selbst zu den Prominenten, auf die sich die Fotografen am Eingang stürzten – neben Schlagersänger Costa Cordalis und Filmproduzentin Regina Ziegler . Showact Annett Louisan war auch sehr begehrt.

Einer wirkte besonders entspannt: Béla Anda , bis vor anderthalb Jahren Regierungssprecher. Nun könne er „noch mehr ich selbst“ sein, grinste er. Und sich ausgelassener auf der Tanzfläche bewegen. Die war übrigens selten leer, ausgerechnet bei „I will survive“ und „Staying alive“ musste aus Platzgründen auf den Teppichboden ausgewichen werden. Gut, beide Evergreens laufen hier jedes Jahr. Aber diesmal klang es nicht nach Absichtserklärung, sondern nach Tatsache. Gegen ein Uhr, da hatte sich Jörg Schönbohm bereits von Parteifreund Laurenz Meyer mit einem herzlichen „Grüß mir die Meyerei“ verabschiedet, legte Costa Cordalis auf der Bühne los: „Heute Abend woll’n wir feiern/ Heute Abend steigt die Party.“ Und Walter Momper drehte seine Anne im Kreis. sel

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