Berlin : Ausgestiegen und umgekommen

Scientology-Schicksale auf US-Websites

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Es war eine beängstigende Erfahrung, die Thomas Gandow, der Sektenbeauftragte der Evangelischen Kirche, im Jahr 2003 mit der Organisation machen musste: Als er mit einem amerikanischen Scientology-Aussteiger zu einem Vortrag unterwegs war, wurde er von einem Mitglied im Auto verfolgt und massiv bedrängt. Die „Kirche“ hatte mit der Verfolgung die ladungsfähige Anschrift von Gandows Begleiter herausfinden wollen – sich aber später für den Vorfall entschuldigt.

Politische Irritationen verursachte ein anderer Fall: Zum Todestag der Scientologin Lisa McPherson wurde dem US-Botschafter in Deutschland 1997 ein Brief überreicht, der von mehr als 50 deutschen und amerikanischen Prominenten unterzeichnet worden war. Darunter waren auch die Berliner Scientology-Kritikerin, Bundestagsabgeordnete Renate Rennebach (SPD), und der Rechtsanwalt Klaus-Uwe Benneter, der etliche Scientology-Opfer vertreten hatte. Die Prominenten sprachen sich gegen Praktiken aus, deren Opfer aus ihrer Sicht die Scientologin McPherson geworden sein soll.

Lisa McPhersons Schicksal ist eines der eindrucksvollsten, das die Website www.whyaretheydead.net dokumentiert. Dort sind Berichte über viele Menschen nachzulesen, deren Tod angeblich in einer Verbindung mit Scientology stehen soll, was die Organisation bestreitet. Die Zeugnisse stammen oft von Verwandten der Verstorbenen. Einer der längsten Prozesse gegen Scientology führten Hinterbliebene von Lisa McPherson in Florida. Die Vorwürfe: McPherson sei von Scientology-Mitgliedern „behandelt“ worden, die „medizinisch nicht geschult und standesrechtlich nicht zugelassen seien“. Der Rechtsanwalt machte Scientology deshalb auch für ihren Tod verantwortlich. Der Rechtstreit, der im Jahr 1997 begonnen hatte, zog sich über Jahre hin. Ende 2004 wurde der Fall ohne Urteil zu den Akten gelegt.

Im Internet werden auch ähnliche Fälle aus Italien dokumentiert. So der Fall Roberto D.. Der 20-jährige Italiener hatte sich der Scientology-Kirche angeschlossen. Im März 1997 stürzte er sich aus dem achten Stock. Zwei Jahre später wurde ein Gerichtsverfahren eingeleitet. Bis heute hat aber noch kein Gericht eine Verbindung zwischen Scientology und dem Selbstmord beweisen können. ball

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