Berlin : Ausgezeichnet

Preisgekrönter Mittelstand – wie sich Berliner Firmen mit guten Ideen im Wettbewerb behaupten

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Bei Vergleichsstudien erhält der Wirtschaftsstandort Berlin sehr unterschiedliche Noten. Wird die bestehende Wirtschaftsstruktur untersucht, landet Berlin auf einem hinteren Platz. Geht es um Zukunftspotenzial, das sich vor allem in der hervorragenden Wissenschaftslandschaft zeigt, hat Berlin bessere Karten. Zukunft, glauben die Experten, hat der Standort vor allem als Stadt der Ideen. Jetzt hat die Vergleichsstudie „Top 100“ vier mittelständische Firmen aus Berlin prämiert, die durch innovative Ideen auf sich aufmerksam gemacht haben.

Die Untersuchung von Nikolaus Franke von der Wirtschaftsuniversität Wien bewertet den Innovationserfolg im Markt. Unter der Schirmherrschaft von Lothar Späth werden deutschlandweit 100 Firmen ausgezeichnet. Der Hauptpreis „Innovator des Jahres“ ging am Mittwoch zum ersten Mal in der zwölfjährigen Geschichte des Preises an eine ostdeutsche Firma, die Von Ardenne Anlagentechnik GmbH aus Dresden. Mit vier Teilnehmern schneidet Berlin wesentlich besser ab als in den vergangenen Jahren. Wir stellen die Unternehmen vor.

STRATO MEDIEN AG

www.meinname.de - mit diesem Slogan ist die Berliner Strato Medien AG groß geworden. Wer eine Webseite unter seinem eigenen Namen einrichten wollte, kam an dem erst vor sieben Jahren gegründeten Webhoster, der inzwischen zur Hamburger Freenet-Familie gehört, nicht vorbei. Zwei Millionen de.-Domains, also Internet-Seiten in Deutschlands, laufen heute in den beiden Tüv-zertifizierten Hochleistungsrechenzentren in Berlin und Karlsruhe. Das ist ungefähr ein Drittel des gesamten deutschen Internets.

Ein Grund, warum die Top-100-Juroren Strato ausgesucht haben, ist daher auch die „hohe Geschwindigkeit der Umsetzung von neuen Produkten und Dienstleistungen“, aber genauso „die starke Identifikation der Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen und ein Top-Management“. Nachdem anfangs vor allem die privaten Internet-Seiten das Wachstum sicherten, sieht Vorstandschef Rochus Wegener nun vor allem im Business-Bereich bei Internet-Shops und speziellen Serverangeboten für professionelle Kunden große Chancen.

Neben aggressivem Marketing hat sich Strato aber auch technologisch einiges einfallen lassen, so zum Beispiel die von „Top 100“ gelobte „Backup Control“, eine ausgeklügelte Funktion zur Datensicherung für die Webseiten. Auch im DSL-Geschäft ist Strato erfolgreich, gerade erst wurde ihre City-Flatrate von der renommierten Fachzeitschrift „Connect“ als Testsieger bewertet. Dieser Erfolg drückt sich auch in der Mitarbeiterzahl aus, die jedes Jahr um rund 50 Kollegen wächst. Zum Jahresende sollen es 400 sein, der Großteil davon am Spreebogen in Berlin. sag

BEROLINA SCHRIFTBILD

Es ist ein weiter Weg von einer Schreibmaschine zum modernen Hochleistungsdrucker. Die Firma Berolina Schriftbild hat die technischen Revolutionen der vergangenen Jahrzehnte gut überstanden. Seit über 30 Jahren sorgt die Berliner Firma für ein repräsentatives Schriftbild. Früher wurden Farbbänder für Schreibmaschinen hergestellt, heute stehen Produkte und Dienstleistungen rund um Computerdrucker im Vordergrund. Der Spezialist für Tintenstrahldrucker-Patronen und Laserdrucker-Kartuschen hat 250 Mitarbeiter und seinen Berliner Sitz in Lankwitz. Das Werk im brandenburgischen Dabendorf produziert technisch hochwertige, aber günstige Patronen und Kartuschen für Markendrucker. Die größte Herausforderung ist es dabei, schnell auf die Innovationen der Druckerhersteller zu reagieren. Aber Berolina bietet mehr als Patronen. „Wir haben uns von einem Hersteller zu einem umfassenden Service-Anbieter entwickelt“, sagt Geschäftsführer Alexander Busch. Berolina bietet Wartung und Reparatur, aber auch Beratung zum Druckmanagement. Besonders innovativ ist Berolina in Sachen Umweltverträglichkeit. „Schon lange, bevor es gesetzlich vorgeschrieben war, hat Berolina auf umweltschonende Herstellungsverfahren und eine längere Lebensdauer der eigenen Produkte gesetzt“, betont Busch. avi

CORA-IT

Etwas Schlimmeres könne es nicht geben, als dass irgendwo in Polen am Straßenrand alte Computer mit Kundendaten des Unternehmens auftauchen. Das hat einmal der Vertreter eines großen Versicherungskonzerns zu Erik Misler gesagt. Doch der hat mit seiner Firma Cora-IT bereits eine Lösung: ein automatisiertes Verfahren zur zuverlässigen Löschung von Daten, das obendrein ein fälschungssicheres Protokoll der Löschung liefert. „Außer uns kann das keiner“, sagt Misler. Diese Innovation habe zwar viel Geld gekostet, „aber jetzt verdienen wir daran“. In der 1990 gegründeten Firma, die als Vertrieb von Bürotechnik begann und sich inzwischen zum umfassenden Informationstechnik-Dienstleister entwickelt hat, arbeiten heute deutschlandweit 160 Menschen. Motivierte Mitarbeiter, eine schnelle Reaktion auf den Markt und die Bedürfnisse der Kunden, das sei das Erfolgsrezept seiner Firma, sagt Misler. Und: Fast die Hälfte der Führungsriege seien Frauen, sagt der Geschäftsführer. „Da gibt es immer wieder spannende Konflikte und gute Ideen.“ vis

TOREX RETAIL SOLUTIONS

Lucas hat den Preis für Torex Retail Solutions gewonnen, ein Unternehmen das Software für Informationssysteme herstellt. Lucas ist nicht etwa der Name des fähigsten der 160 Mitarbeiter, die dort beschäftigt sind. Sondern so heißt ein Kassensystem, das Torex Retail Solutions entwickelt hat. Kassensysteme, das klingt nicht gerade nach sensationellen Erfindungen – aber Lucas ist tatsächlich etwas Besonderes. Kassen sind mittlerweile nichts anderes als ein Computer – und wie ein PC sind sie auch von einer bestimmten Hard- und Software abhängig. „Die Besonderheit des Lucas-Programms ist, dass es unabhängig von Betriebssystem- und Hardware einsetzbar ist“, sagt René Schiller, Sprecher von Torex Retail Solutions. Und sein Unternehmen war weltweit das erste, das ein solches Programm im regulären Einsatz hatte. Das ist jetzt vier Jahre her. Mit der Entwicklung von Lucas hatte Torex Retail Solutions 1998 begonnen.

Mittlerweile nutzen in Deutschland Ketten wie Deichmann und Woolworth Lucas ebenso wie Esprit und Montblanc in den USA. Lucas verrät seinem Besitzer auch, was seine Kunden wünschen. Es registriert zum Beispiel welche Artikel häufig zusammen verkauft werden. Dementsprechend kann der Händler die Ware dann im Geschäft positionieren. Torex Retail Solutions gehört seit 2004 dem britischen Konzern Torex Retail. Aber Geschäftsführer Hans-Jürgen Heck, der den Berliner Betrieb 1983 gegründet hatte, ist stolz darauf, dass die Erfindung von Lucas Made in Germany ist. dro

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