Ausladung von Wolfgang Thierse : Schwaben-Streit: „Um die Brötchen geht es nicht“

Knapp zwei Jahre nach dem Berliner Schrippen-Streit haben Stuttgarter Politiker jetzt verhindert, dass Ex-Bundestagspräsident Thierse zum Mauerfall-Jubiläum im baden-württembergischen Landtag spricht. Der FDP-Mann Hans-Ulrich Rülke verteidigt die Entscheidung.

Vinzenz Greiner
Hans-Ulrich Rülke (FDP/DVP): Thierses Aussagen waren bierernst.
Hans-Ulrich Rülke (FDP/DVP): Thierses Aussagen waren bierernst.Foto: FDP/DVP-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg

Hans-Ulrich Rülke ist Chef der oppositionellen FDP/DVP-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg. Seine Fraktion und die der CDU haben verhindert, dass der Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) als Gastredner für eine Gedenkveranstaltung zum 25. Jahrestag des Mauerfalls im Landtag spricht. Wir haben ihn zu den Gründen befragt.

Herr Rülke, was haben Sie dagegen, dass Wolfgang Thierse vor dem baden-württembergischen Landtag zum Jubiläum des Mauerfalls sprechen soll? Ist eine Aufwartung eines ehemaligen Bundstagspräsidenten nicht eine große Ehre?

Eine große Ehre wäre es, wenn Hans-Dietrich Genscher sprechen würde.

Was haben Sie gegen eine Rede von Herrn Thierse?

Gegen Wolfang Thierse persönlich habe ich nichts. Es gibt verschiedene Persönlichkeiten, die in Frage kämen. In der Zusammenschau hat sich ergeben, dass er sich 2012 in einem Interview abfällig über Baden-Württemberg geäußert hat. Deshalb fällt er für die FDP-Fraktion weg.

Herr Thierse hatte sich darüber beklagt, dass man in Prenzlauer Berg beim Bäcker „Wecke“ statt „Schrippe“ höre. Das ist doch keine Beleidigung ihres Bundeslandes.

Um die Brötchen geht es nicht. Er hat gesagt, dass die Schwaben in Berlin nicht begriffen, dass sie nicht mehr in ihrer schwäbischen Kleinstadt leben würden. Damit hat er sich über die Baden-Württemberger abfällig geäußert.

Nur über die Schwaben. Was ist mit den Badenern?

Ich weiß nicht, ob Herr Thierse, der irgendwo in Berlin wohnt, trennscharf zwischen Badenern und Schwaben unterscheiden kann.

Thierse sagte nach dem kontroversen Interview, er habe die Aussagen nicht ganz ernst gemeint.

Ja, er hat behauptet, dass es spaßig gemeint war. Aber wenn man sich die Aussagen anschaut, merkt man, dass sie mit Bierernst vorgetragen wurden.

Kann man nicht sagen, dass das drastische Worte waren, um auf die Gentrifizierungsproblematik in Berlin aufmerksam zu machen? In der Politik ist es doch Gang und Gäbe, zum Stilmittel der Übertreibung zu greifen.

Klar, das ist auch sein gutes Recht. Ich habe aber auch ein Recht: nämlich eine eigene Position zu dieser Sache einzunehmen.

Wer wird denn dann die Rede halten, wenn nicht Thierse?

Zunächst ist Landtagspräsident damit beauftragt, eine Persönlichkeit zu finden, hinter der sich alle versammeln können. Meine Fraktion hält wie gesagt Herrn Genscher für geeignet.

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