Berlin : Ausschau halten und Tee trinken

Herausgeputzt: Die „Große Neugierde“ im Glienicker Park wird heute eröffnet

Carmen Gräf
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Frisch saniert. Alfons Schmidt, Baudirektor der Schlösserstiftung, und Planungsleiter Steffen Domalski (rechts) eröffnen heute den...

Für die Fuhrleute, die über die Havelbrücke nach Potsdam wollten, war der Prinz ein gewohnter Anblick. Prinz Carl von Preußen saß häufig in voller Uniform „im Ausbau“, so ein Zeitgenosse, dicht an der Chaussee, rauchend und den Verkehr beobachtend. Kaum verwunderlich, dass der Teepavillon bald den Namen „Große Neugierde“ erhielt. Ab heute kann wieder jeder seiner Neugier folgen und vom frisch renovierten Teehaus wie einst der Prinz den Blick über Glienicker Park und Havel schweifen lassen.

Prinz Carl von Preußen kaufte das Gut 1824 aus dem Nachlass Fürst von Hardenbergs. Mit Hilfe des Architekten Karl Friedrich Schinkel und des Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné begann der Preußenprinz hier seinen Traum vom Süden zu verwirklichen. Inspiriert von einem Italienaufenthalt und dem Austausch mit seinem Bruder Friedrich Wilhelm IV. entstanden die südlich anmutende Parklandschaft, eine italienische Villa und zahlreiche Parkbauten. Mit der Einweihung der neuen Glienicker Brücke im Jahr 1834 wurde der Park bis an den Brückenkopf erweitert. Dort, an der südwestlichen Spitze des Gartens, ließ der Prinz die „Große Neugierde“ errichten – nach Plänen Schinkels und Skizzen von Friedrich Wilhelm IV.

Der Rundtempel auf einem Sockelgeschoss mit 16 Säulen wurde mit einer Nachbildung des Lysikrates-Monuments aus Griechenland versehen, einem der bekanntesten griechischen Bauwerke der Antike. „Hinzu kamen Kapitelle aus Terrakotta, ein Brüstungsgitter und jede Menge Spolien, also kleine Bauteile, die etwa von altertümlichen Reliefs, Skulpturen, Säulen, Friesen stammen“, erläutert Alfons Schmidt, Baudirektor und Leiter der Abteilung Denkmalpflege der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.

Rund 70 Jahre stand die Große Neugierde dort, wo Prinz Carl sie errichten ließ. Als jedoch 1905 die Glienicker Brücke neu erbaut wurde, war plötzlich die Aussicht gestört. Deshalb wurde er um etwa zehn Meter von der Straße nach hinten versetzt. „Da hat man nur die wertvollen Teile mitgenommen – also etwa den bauplastischen Schmuck, die Kapitelle und das Brüstungsgitter. Der Rest wurde in stark vereinfachter Ausführung neu gebaut.“ Die Terrakotta-Säulen wurden durch Sandstein-Säulen ersetzt. Außerdem erhielt der Bau eine Treppe, damit der Ausblick gewährt blieb.

Durch die Teilung Deutschlands 1961 rückte die Große Neugierde an den äußersten Rand West-Berlins. Direkt vor ihr, auf der Glienicker Brücke, verlief die Grenze. Die exponierte Lage befriedigte damals die „Neugierde“ der Besucher, einen Blick auf die Grenzanlagen zu werfen. Mit dem Mauerfall 1989 wurde die Große Neugierde deutschlandweit bekannt. Sie war das erste Bauwerk auf West-Berliner Boden, das die Menschen sahen, die dort über die Grenze strömten. Es war mit Willkommensplakaten geschmückt und wurde wie die Glienicker Brücke zum Symbol der Deutschen Einheit.

Seit Mitte letzten Jahres wurde die Große Neugierde für 425 000 Euro umfassend saniert und restauriert. Jetzt strahlt alles wieder wie neu. „Wir hatten festgestellt“, so Schmidt, „dass der ganze Rundbau in sich verschoben war. Wahrscheinlich ist dort einmal eine Bombe hochgegangen, deren Druckwelle das Dach vorübergehend abgehoben hatte.“ Am heutigen Sonntag wird die Große Neugierde mit einer Ausstellung zu ihrer Geschichte wieder eröffnet. Carmen Gräf

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