Berlin : Ausschuss beriet über Vorschlag, das Denkmal umzusetzen

chp

Wird Bismarck verrückt? Mit dieser Frage befasste sich der Kulturausschuss im Abgeordnetenhaus, oder genauer: mit Rolf Hochhuths Vorschlag, das Denkmal aus dem Tiergarten an seinen historischen Ort vor dem Reichstag zurückzuführen. Der Dramatiker plädierte unter anderem für Bismarcks Ehrenrettung: "Eine deutsche Regierung, die in ihrem Zentrum ein Ehrenmal für die Rote Armee und ein Holocaust-Mahnmal hat - und es geschieht den Deutschen Recht mit diesen Denkmälern - benötigt für die politische Hygiene wenigstens ein Denkmal, zu dem man ohne Zerknirschung aufsehen kann."

Rolf Hochhuths Engagement zeigt wenig Wirkung an diesem Morgen im Preußischen Landtag. Unter den kulturpolitischen Sprechern wird es einzig von Uwe Lehmann-Brauns (CDU) unterstützt. Seine Kollegen aus den übrigen Parteien halten eine Versetzung des Denkmals jedoch für das falsche Signal. Sie erinnern an die zwiespältige Rolle Bismarcks, dessen Sozialstaat auf Kosten der Meinungsfreiheit ging (Irana Rusta, SPD) und der in das "autokratische System des Kaiserreichs eingebunden war" (Alice Ströver, Grüne).

Und der Kultursenator? Christoph Stölzl zieht sich elegant aus der Affäre, begrüßt Hochhuths Begehren nicht, aber lehnt es auch nicht ab. Ein Gesamtkonzept für die Meile "von der Goldelse bis zum Platz der Republik" müsse her, so Stölzl, und gibt die Staffel an seine Kollegen vom Stadtentwicklungsressort weiter: "Wollen wir den von Albert Speer herbeigeführten Ist-Zustand bewahren und damit eine Musealisierung der Militärgeschichte oder lieber ein Stück Demokratiegeschichte?"

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