Berlin : Außer Dienst

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Christian van Lessen über

erholsame Brückentage

Es ist nicht lange her, da sprachen die Leute, wenn sie an den heutigen Tag dachten, ehrfurchtsvoll vom dritten Weihnachtsfeiertag. Das klang so, als müsste man auch heute noch Weihnachtslieder singen, dürfte auch heute noch Geschenke auspacken.

Voraussetzung für den dritten Feiertag aber war, dass er so günstig vorm Wochenende lag wie diesmal, so dass die arbeitende Bevölkerung bequem freimachen konnte. Inzwischen aber ist nur noch gefühllos und kalt berechnend von „Brückentagen“ die Rede. Heute ist so ein Tag, an dem sich viele Leute wundern könnten, dass überhaupt irgendwo noch jemand arbeitet, der nicht Busse und Bahnen lenkt, Lebensmittel verkauft oder Geschenke umtauscht.

Mindestens jede zweite Arztpraxis dürfte dicht sein, Firmen haben geschlossen, und auch Behördenmitarbeiter mäkelten schon, sie wollten heute eigentlich nicht im öffentlichen Dienst stehen, weil sonst die Heizung für einen Tag angekurbelt werden müsste. Und das sei, ökologisch gesehen, eine unglaubliche Verschwendung.

Es gibt Kalender, die mit besonderer Sorgfalt die Brückentage markieren. Das Internet verbreitet zahlreiche Hinweise, wie urlaubstagssparend Brückentage vor, nach und zwischen den Feiertagen einzusetzen sind.

Berlin ist also auch heute fast außer Dienst, und so richtig zu Potte kommt die Stadt wohl erst, wenn alle Tage bis zum 6. Januar mehr oder weniger listig überbrückt worden sind. Zwei Tage Dienst ab Neujahr bis zum Wochenende? Nicht doch.

Übrigens: Das BrückeMuseum hat, glauben wir der telefonischen Ansage, heute auf.

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