Berlin : Aussicht auf ein Riesengeschäft

Daimler-Chrysler könnte mit dem Immobilienverkauf am Potsdamer Platz ein Vielfaches des damals bezahlten Preises erzielen

M. Oloew,A. Frese

Am Tage nach den bekannt gewordenen Verkaufsplänen für den Potsdamer Platz bemühte sich Daimler-Chrysler um Beruhigung. Aus der Konzernzentrale in Stuttgart hieß es am Mittwoch noch einmal, es sei nicht daran gedacht, die Unternehmensteile, die derzeit am Potsdamer Platz sitzen, aus Berlin abzuziehen. Das gelte sowohl für die Finanztochter, die ehemalige Debis, als auch für die Vertriebszentrale von Mercedes-Benz. Im Konzern wurde seit Monaten über Verlagerungen spekuliert, nach dem Konzernchef Dieter Zetsche den Umzug der Konzernzentrale von Stuttgart-Möhringen nach Untertürkheim beschloss und daraufhin neue Nutzungsmöglichkeiten für Möhringen gesucht wurden.

Die Mieter am Potsdamer Platz reagierten gestern relativ gelassen auf die Nachricht vom eventuellen Verkauf. Beispiel Cinemaxx: Die Kinogruppe hat für ihr Multiplex am Potsdamer Platz einen Mietvertrag, der noch über zwölf Jahre läuft. Diesen Vertrag will das Unternehmen nach Angaben eines Sprechers auch erfüllen.

Die Häuser von Daimler-Chrysler am Potsdamer Platz sind gefragt. Fachleute der Immobilienbranche gehen davon aus, dass es an potenziellen Käufern nicht mangeln wird – erste Interessenten gibt es sogar schon. Die Senatsfinanzverwaltung reagierte hingegen überrascht und will nun prüfen, welche rechtlichen Verpflichtungen der Konzern beim Kauf der ehemals landeseigenen Grundstücke eingegangen ist. Soll heißen: Die Behörde von Senator Thilo Sarrazin wird in den Verträgen nachschauen, ob Daimler-Chrysler eine Frist einhalten muss, ehe die Gebäude auf den Markt kommen.

Daimler-Chrysler wird aber bei einem Verkauf mit stattlichen Summen rechnen können; sie dürften die damaligen Kosten für das Areal um ein Vielfaches übersteigen. Das gilt sowohl für die Häuser, die noch über eine lange Zeit vermietet sind, als auch für die Bürogebäude, selbst wenn sie größtenteils leer stehen. Nach Aussage von Branchenkennern schrecken international operierende Fonds davor nicht zurück, sondern sehen ein leeres Gebäude sogar als Chance. Entweder, weil es wegen des Leerstand relativ preisgünstig zu haben ist, weil es wegen seiner Lage als attraktiv gilt, oder weil die Investoren auf eine verstärkte Nachfrage nach Büroflächen setzen. Dieser Optimismus ist angesichts der rund 1,7 Millionen Quadratmeter leer stehender Büros in Berlin allerdings überraschend.

Die optimistische Sicht auf die Daimler-Immobilien wird nach einhelliger Ansicht der Branchenkenner durch drei Faktoren gestützt: Erstens die gute Lage, zweitens die eigenwillige und hochwertige Architektur und drittens die hohe Zahl von Touristen, die das Stadtviertel jeden Tag besuchen. Für den Einzelhandels-Fachmann der Hypo-Vereinsbank, Holger Weber, könnte ein Hemmschuh für den Verkauf nur sein, dass diese Faktoren „bereits eingepreist sind“, Daimler-Chrysler also zu viel verlangen könnte.

Die Möglichkeit eines Verkaufs ist für die Experten wenig überraschend. Thomas Glodek, Sprecher von Aengevelt-Immobilien erinnert daran, dass sich auch bereits Siemens, RAG, die Dresdener Bank und andere Konzerne, selbst Einzelhändler wie C & A von ihren Immobilien getrennt haben. Ähnlich beurteilt Immobilienmakler Gottfried Kupsch die Lage. Das Schlagwort ist: Konzentration auf das Kerngeschäft – und das ist bei Daimler-Chrysler nicht die Immobilienbranche. Das allerdings sind keine gute Nachrichten für die Immobilientochter von Daimler-Chrysler, die die Gebäude am Potsdamer Platz verwaltet.

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