Aussichtsrad am Zoo - ein Fall für Juristen : Noch ’ne Runde

Seit drei Jahren ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ehemalige Manager des gescheiterten Riesenradprojekts. Bisher ohne ein greifbares Ergebnis

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Sah ja toll aus.
Sah ja toll aus.Foto: dpa

Seit drei Jahren ermittelt die Staatsanwaltschaft in Berlin gegen ehemalige Manager eines Unternehmens, das am Zoologischen Garten ein 165 Meter hohes Riesenrad bauen wollte. Dort wächst bis heute nur Unkraut. Und die Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue gegen Florian Bollen, Stephan Matter und Michael Waiser, die das ehrgeizige Vorhaben in den Sand gesetzt haben, blieben bisher ebenfalls ohne Ergebnis. Im Büro der Staatsanwältin türmen sich Berge von Geschäftspapieren, Gutachten und anderen Unterlagen. Die Ermittlungen seien „sehr kompliziert, schon wegen des unübersichtlichen Gesellschaftergeflechts“, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner.

Immerhin geht es um drei Millionen Euro, die in der Gründungsphase des gescheiterten Riesenradprojekts, 2006 und 2007, über fingierte Verträge und Rechnungen in den mittleren und fernen Osten sowie auf die Britischen Junferninseln in der Karibik transferiert worden sein sollen. Angeblich ohne Gegenleistung. Diesem Vorwurf, der auf einer Strafanzeige der Münchener Kanzlei Mattil & Kollegen vom März 2010 beruht, gehen die Ermittler immer noch nach. Rechtsanwältin Katja Fohrer, Spezialistin für Bank- und Kapitalmarktrecht, hat inzwischen nachgelegt und eine weitere Strafanzeige erstattet, im Zusammenhang mit einem Riesenrad in Singapur (Singapore Flyer), das sich zwar dreht, aber geschäftlich offenbar nichts einbringt.

Auch wegen dieses Falls, sagt die Anwältin, „warten wir gespannt auf den Ausgang der Ermittlungen“. Denn es geht teilweise um dieselben Beschuldigten. Treibende Kraft des Singapore Flyers, der über einen Fonds und einen Großkredit finanziert wurde, waren Bollen und Matter. Anschließend kamen sie auf die Idee, für Aussichtsräder in Berlin, Peking und Orlando auch einen Fonds aufzulegen. Dafür konnten sie erneut die Bethmann Bank (vormals Delbrück, Bethmann, Maffei) gewinnen, die bei privaten Anlegern über 200 Millionen Euro einsammelte.

Keines der drei Riesenräder wurde gebaut, der Fonds ist pleite und die Anleger wurden auf Kosten der Bank abgefunden. Auch den Zeichnern des Singapur-Fonds wurde im Februar offiziell mitgeteilt, dass fällige Tilgungsraten für den Großkredit „nicht geleistet werden“ könnten. Die Fondsbeteiligung in ehemals zweistelliger Millionenhöhe wurde auf einen Euro abgewertet. Auch hier ermittelt nun die Staatsanwaltschaft Berlin, aber die beiden Ex-Manager beobachten die Angelegenheit aus relativ sicherer Entfernung.

Florian Bollen ist mittlerweile Direktor von „Memsys Clearwater“ in Singapur. Nach einer Karriere als Filmproduzent, Investor beim Danziger Containerhafen und Riesenrad-Manager engagiert er sich jetzt für eine solarbetriebene Entsalzungsanlage in Südostasien. Sein früherer Geschäftspartner, Stephan Matter, sitzt in Sao Paulo und betreibt in Brasilien Marketing und Franchising für Lebensmittel, Events und den sozialen Wohnungsbau. Versteckt hinter einer verschachtelten Firmengruppe sind beide Herren als Kommanditisten noch beteiligt an der Riesenradgesellschaft am Hardenbergplatz 2 in Charlottenburg.

Deren Geschäftsführer Michael Waiser, gegen den auch ermittelt wird, ist gleichzeitig Chef mehrerer kleiner Immobilienfirmen. Die Bethmann Bank, die den Riesenradfonds teuer abschreiben musste, hat dagegen keinen direkten Einfluss auf die „Great Berlin Wheels“, die noch existierende Aussichtsrad-Projektgesellschaft Waisers. Aber: Das Kreditinstitut sicherte sich vorsichtshalber mit einer Grundschuld von 225 Millionen Euro den Zugriff auf das brachliegende Grundstück am Zoo, dessen Verkauf irgendwann ansteht. Die Baugenehmigung für ein Riesenrad am Zoo ist übrigens noch bis zum 25. Oktober 2013 gültig und kann dann um zwei Jahre verlängert werden. Bis 2015 sind vielleicht auch die staatsanwaltlichen Ermittlungen abgeschlossen.

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