Aussichtsrad : Die Riesenrad-Schlussrunde

Die vielleicht entscheidende Schlacht um das Aussichtsrad am Bahnhof Zoo hat begonnen. Dabei stehen sich die Banken, die den in Schwierigkeiten geratenen Fonds "Global View" aufgelegt hatten, und die Anlegerinitiative "Pro Riesenrad" um den Berliner Show-Veranstalter Peter Massine gegenüber.

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Nach Auskunft der Initiative haben die Banken in den vergangenen Tagen bei Anlegern angerufen, um ein Abfindungsangebot zu unterbreiten: 60 Prozent des Zeichnungspreises laute das bis zum 23. April gültige Angebot. „Die Banken versuchen, sich freizukaufen“, sagte Massine dazu. Er will die enttäuschten Anleger unbedingt davon abbringen, sich auf den Deal einzulassen. Denn der würde nicht nur 40 Prozent Verlust für die Anleger bedeuten, sondern auch das Aus für die geplanten Aussichtsräder in Berlin und Peking.

Wie berichtet fordern die Anleger um Massine und den Vermögensverwalter Jens Werhahn die möglichst rasche Einberufung einer Gesellschafterversammlung, auf der sie mit der Mehrheit der anwesenden Kommanditisten die Geschäftsführung auswechseln und so die Kontrolle über den Fonds übernehmen wollen. Massine und Werhahn – letzterer übrigens selbst ein erfahrener Bankier – stehen nach eigener Auskunft bereit. Ob sie die notwendige Unterstützung bekommen, ist jedoch völlig ungewiss. Klar scheint dagegen, dass das Berliner Projekt mit dem Abfindungsgeschäft erledigt wäre. Der Anwalt der Initiative hält das Angebot der Banken auch deshalb für inakzeptabel, weil die Anleger noch nicht einmal über die Wirtschaftsjahre 2008 und 2009 informiert worden seien.

Nach Tagesspiegel-Informationen sind von den 208 Millionen Euro, die für zunächst drei Räder eingesammelt worden waren, nur noch 19 Millionen Euro da. Mehrere Anleger wollen die Banken auf Schadensersatz wegen Falschberatung verklagen. „Diese Klagen kann man auch später noch einreichen“, sagte Massine, der die Initiative als „kostenlose Alternative“ zu teuren Einzelklagen sieht. Die Banken waren am Karfreitag nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Das Rad, das rund doppelt so hoch wie das nahe Europa-Center werden sollte, war nördlich der Stadtbahntrasse am Bahnhof Zoo geplant. Dafür wurde auf Kosten der Investoren bereits der Wirtschaftshof des Zoos abgeräumt und nebenan neu gebaut.

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