Ausstellung DDR-Geschichte : Mielkes Schnüffelapparat zum Ansehen

Schon heute kann man in Lichtenberg die Zentrale der DDR-Geheimpolizei besichtigen. Nun soll das Museum ausgebaut werden – und auf den Hof kehrt die Revolutions-Schau vom Alex zurück.

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In der Zentrale der Macht. Im Haus 1 war Mielkes Büro. Heute ist dort das Stasi-Museum untergebracht. Fotos: Kai-Uwe Heinrich
In der Zentrale der Macht. Im Haus 1 war Mielkes Büro. Heute ist dort das Stasi-Museum untergebracht. Fotos: Kai-Uwe Heinrich

Wenn das Erich Mielke wüsste. Auf dem großen Parkplatz seines einstigen DDR-Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in Lichtenberg will die Robert-Havemann-Gesellschaft ihre erfolgreiche Ausstellung „Friedliche Revolution 1989/90“ wieder eröffnen. Die mehr als 700 Fotos und Textdokumente, Filme und Tonbeiträge der Open-Air-Schau auf dem Alexanderplatz zur Widerstandsbewegung in der DDR hatten von Mai 2009 bis Oktober 2010 vier Millionen Besucher angezogen. Danach wurde die Ausstellung unter Protesten abgebaut. Vom kommenden Frühjahr an will die Havemann-Gesellschaft nun „mit dem Wiederaufbau beginnen“ und noch mehr Dokumente aus ihrem Archiv der DDR-Opposition beisteuern.

Das Vorhaben ist Teil des Projekts „Campus der Demokratie“ am früheren Ort der Repression. Die Idee dazu hatte, wie berichtet, der Chef der dort ansässigen Stasi-Unterlagenbehörde, Roland Jahn. Inzwischen stehen auch Bezirk, Land und Bund dahinter. So heißt es im Berliner Koalitionsvertrag, man wolle die MfS-Zentrale als „Ort der Aufklärung über Diktatur und Widerstand fortentwickeln“.

Beschaubare Stasi

Konkret will man die schon bestehenden Ausstellungen am Mielke-Dienstsitz mit weiteren Schauen ergänzen und zusätzlich Räume für Bildungsveranstaltungen schaffen. Seminare, Kongresse oder Filmvorführungen zu den Themen Demokratie und Widerstand sollen „am authentischen Ort sinnlich erfahrbar machen, was Freiheit bedeutet“. Außerdem soll die Arbeit der Stasi-Akten-Behörde, die den Nachlass von Mielkes Schnüffelapparat aufarbeitet, mit verbesserten Methoden intensiviert werden. Neben der Mauer- Gedenkstätte an der Bernauer Straße und dem einstigen Stasi-Untersuchungsgefängnis Hohenschönhausen will man damit einen dritten offiziellen Gedenkort am Hauptquartier der Täter realisieren.

Für all das reichen die bisher von der Stasi-Unterlagenbehörde und mehreren Opfer- und Bürgerrechtsverbänden genutzten Häuser auf dem riesigen Gelände an der Frankfurter Allee aber nicht aus. Diese Gebäude sind schon im Besitz des Bundes, dem Roland Jahns Behörde untersteht. Viele weitere Häuser und Flächen gehören aber noch Privateigentümern. Und der Erwerb dieser Objekte geht laut Roland Jahn „zäh“ voran, wie er gerade im Interview mit dem Tagesspiegel sagte. Um die stadtplanerischen Ziele auf dem etwa 22 Hektar umfassenden MfS-Areal leichter durchsetzen zu können, hat der Bezirk Lichtenberg die gesamte Fläche vor zwei Jahren als Sanierungsgebiet ausgewiesen. Und dem Vernehmen nach laufen intensive Kaufverhandlungen mit Privateigentümern. Konkret wollte sich dazu am Freitag aber keine Behörde äußern. Man fürchtet, „die Preise hochzutreiben“.

Arbeit der DDR-Spitzel

Die von Bürgerrechtlern am 15. Januar 1990 besetzte MfS-Zentrale war in den Jahrzehnten zuvor Zug um Zug geradezu burgähnlich ausgebaut worden. Zuletzt bestand sie aus 29 klotzartig kreuz- und quer gestellten hohen und niedrigen Plattenbauten und 11 Innenhöfen mit einer Haupteinfahrt zur Ruschestraße. Die Jahn-Behörde nutzt derzeit die Häuser Nummer 7, 8 und 9. Die Campus-Pläne sehen viele Erweiterungen vor: Im Haus 1, in dem Erich Mielke einst residierte, dessen Büro originalgetreu erhalten ist, soll das heutige Stasi-Museum der Antistalinistischen Aktion (Astak) erweitert werden. Bis Anfang 2015 soll eine Schau auf drei Etagen zur Arbeit und den Methoden der DDR-Spitzel entstehen. Ergänzend will die Robert-Havemann-Gesellschaft ein halbes Jahr später ihre einstige Alex-Ausstellung auf dem Parkplatz vor Haus 1 eröffnen – wieder als Open-Air- Schau. Beide Termine dürften einzuhalten sein, da Haus 1 und die Parkflächen der öffentlichen Hand gehören.

Noch unsicher sind dagegen die Pläne für beide derzeit leerstehenden Häuser 18 und 22 in Privatbesitz. In Nummer 22, dem einstigen Stasi-Offizierskasino, im Volksmund „Feldherrnhügel“ genannt, könnten Bibliotheken und das Archiv der Havemann-Gesellschaft unterkommen. In der Nummer 18, dem einstigen Versorgungsbau mit Kino, Kantine und Einkaufszeile für Stasi-Angehörige, wäre Platz für die neuesten technischen Anlagen des Frauenhofer-Institutes, mit denen zerrissene MfS-Unterlagen virtuell wieder zusammengesetzt werden können. Mehr als 15 000 Säcke voller solcher Schnipsel lagern noch an der Ruschestraße. Dass ein „Campus der Demokratie“ großes Interesse auslösen wird, daran hat der Leiter des Stasi-Museums, Jörg Drieselmann, keine Zweifel. Alleine seine Ausstellung wurde 2012 von mehr als 100 000 Gästen besucht.

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