Ausstellung : Friedensschluss bei der Kriegsschau

Die umstrittene Ausstellung zur "Dritten Welt im Zweiten Weltkrieg" ist nun auch in Neukölln zu sehen.

Ferda Ataman
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Kompromiss. Die Werkstatt der Kulturen in Neukölln zeigt die Schau. -Foto: Imago

Kurz vor der Präsentation der umstrittenen Sammlung gibt es nun eine Einigung: Die Wanderausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ startet am Dienstag gleich an zwei Orten – in den Weddinger Uferhallen und, wie ursprünglich geplant, in der Neuköllner Werkstatt der Kulturen. Deren Leiterin Philippa Ebéné hatte drei von 96 Ausstellungstafeln abgelehnt, weil es darin um arabische Nazi-Kollaborateure geht. Ebéné sei von einer „Hommage an die Befreier“ ausgegangen, als sie der Ausstellung in ihrem Haus zustimmte. Die Kollaborateur-Tafeln bezeichnete sie als rassistisch.

Die Werkstatt-Leiterin selbst war bei dem Vermittlungsgespräch nicht anwesend, zu dem der Berliner Integrationsbeauftragte Günter Piening am Freitag eingeladen hatte. Nach einhelligem Unverständnis für ihre Haltung einigten sich die Trägervereine „Afric Avenir“ und „recherche international“ mit ihrem Vertreter, die Ausstellung nun unzensiert auch in Neukölln zu zeigen – mit einem Begleitprogramm, das die entstandene Diskussion auffangen soll.

Piening sprach im Anschluss des Treffens von „Missverständnissen“ bei den Vorbereitungen, die durch Kommunikationsmängel entstanden seien. Er sei daher froh, dass sich nun „auch jeder am Standort Neukölln ein eigenes Bild über den Charakter der Ausstellung machen kann“. Der Kurator der Ausstellung, Karl Rössel, hofft, dass die Besucher sich endlich den wesentlichen Inhalten widmen können, „den Folgen des Zweiten Weltkriegs in Afrika, Asien und Ozeanien“. Möglich wird die spontane Zweitausstellung, weil von den großformatigen Schautafeln auch zwei kleinere und leichter transportierbare Versionen produziert wurden, die eigentlich für Schulveranstaltung vorgesehen sind. Eine der beiden mobilen Sammlungen, die ohne Audio- und Videoinstallationen auskommen muss, soll nun an den Wänden der Neuköllner Kultureinrichtung hängen, inklusive der drei umstrittenen Schautafeln. „Der Rollkoffer mit den Tafeln steht schon bereit“, sagt Rössel.

Der Eröffnung am Dienstag ist gleichzeitig Auftakt für eine gleichnamige Wanderausstellung, die bis Ende 2011 durch zwölf weitere Städte touren wird. Überall mit Materialien zur „Dritten Welt“ und Nazi-Deutschland: Opfer, Widerstand und Kollaboration. Ferda Ataman

„Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“, 1. bis 30. September, Uferhallen, Uferstr. 8–11 in Wedding; Werkstatt der Kulturen, Wissmannstr. 32 in Neukölln

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