Ausstellung im Neuen Museum : Hausrat aus dem Rathaus

Eine neue Ausstellung zeigt Fundstücke aus dem Zentrum von Alt-Berlin. Der mittelalterliche Ratskeller soll Teil des künftigen U-Bahnhofs werden.

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Majolika-Schalen aus Urbino, Venedig, 16. Jahrhundert. Diese Fundstücke gehören zu den wertvollsten der Grabung am Alten Rathaus.
Majolika-Schalen aus Urbino, Venedig, 16. Jahrhundert. Diese Fundstücke gehören zu den wertvollsten der Grabung am Alten Rathaus.Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Es wurde schwer gezecht im alten Rathauskeller – und wohl auch viel Handel getrieben. Dabei fielen im Lauf der Jahrhunderte genau 751 Münzen zwischen die Holzdielen. Für die Archäologen ein reicher Schatz, denn Münzfunde aus der Berliner Frühzeit sind bislang rar. Einige der Groschen, Denare und Pfennige sind jetzt in der neuen Ausstellung „Untergrund – das Alte Rathaus von Berlin“ im Neuen Museum zu sehen.

Seit drei Jahren graben sich die Archäologen durch die Fundamente des 1865 abgerissenen Rathauses aus dem 13. Jahrhundert. Ein lohnender Ort, denn das Alte Rathaus und die umliegenden Patrizierhäuser an der ehemaligen Königstraße, heute Rathausstraße, waren der repräsentative Kern des alten Berlin. Gefunden wurden kostbar bemalte Keramikschalen, Porzellan, etliche Tabakpfeifen, Würfel und ein alter Zapfhahn.

Das Alte Rathaus beherbergte keine Amtsstuben, sondern vor allem einen großen Versammlungssaal für die Bürger und einen kleineren für die zwölf Ratsleute. Das tägliche Leben spielte sich im Untergeschoss ab, der als feuersicheres Lager eine große Bedeutung für die Kaufleute hatte. Das Alte Rathaus war durch häufige Umbauten bis ins 19. Jahrhundert etwas heruntergekommen, galt den Zeitgenossen als ärmlich. Deswegen entschied sich die Stadt für einen Neubau.

Das alte Berliner Rathaus in einer Ansicht von 1865, kurz vor dem Abriss.
Das alte Berliner Rathaus in einer Ansicht von 1865, kurz vor dem Abriss.Foto: Staatliche Museen / Kupferstichkabinett

Als Sensation bezeichnete Landesarchäologe Matthias Wemhoff die damalige Weisung, den Gewölbekeller behutsam zuzuschütten, um ihn für spätere Forschungen zu erhalten. Das sei in vielen anderen Städten nicht geschehen. Deshalb soll das Gewölbe nach Ende der Grabungen gesichert und in den Neubau des U-Bahnhofs Berliner Rathaus der U5 integriert werden. Es soll nicht nur ein archäologisches Fenster entstehen, wie bislang geplant, sondern ein begehbarer Raum mit den alten Mauern und Gewölbestützen. Ein Großteil des alten Ratskellers könnte so erhalten werden, sagte Wemhoff. Das würde allerdings mindestens sechs Millionen Euro kosten.

Die BVG hat bislang rund sieben Millionen Euro für die Grabungen an ihren Baustellen ausgegeben. Wie viel die zusätzlichen Bauarbeiten an der U-Bahn-Station kosten werden, will die BVG mit Rücksicht auf die beteiligten Baufirmen nicht sagen. An den Betonwänden der Station werden zunächst Sollbruchstellen eingearbeitet, um später einen Zugang zum Baudenkmal zu schaffen. Auch vom Gewölbekeller des Roten Rathauses soll es einen Zugang geben. Das Landesdenkmalamt würde die Fundstücke dort gerne dauerhaft ausstellen.

Das Alte Rathaus soll Teil des archäologischen Pfades werden, der von der Lateinschule an der Petrikirche bis zu den Fundamenten des alten Stadtschlosses reicht. Fertigstellung: nicht vor 2020.

Die Ausstellung zum Alten Rathaus ist bis 15. Februar 2014 im Neuen Museum zu sehen. Eintritt: 12, ermäßigt 6 Euro

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