• Ausstellung im Schloss Britz zeigt Ballspenden aus der Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie

Berlin : Ausstellung im Schloss Britz zeigt Ballspenden aus der Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie

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Wer wann mit wem tanzte, war lange Zeit keine Frage von Lust und Laune auf den Bällen der Walzerstadt Wien. Bevor es mit Schwung losgehen konnte, musste der Kavalier erst einmal bei der Mama der Auserwählten um Erlaubnis bitten. Damit es dabei kein Durcheinander gibt, wurde früher Buch geführt, wer die Schönheit zur Polka, zur Quadrille oder zum Cotillon aufs Parkett führen durfte. Diese Tanzordnung wiederum wird seit Generationen zu Beginn des Abends mit einem Geschenk, der Ballspende, überreicht.

Etwa 180 Exemplare dieser frühen "Give-Aways" und Zeugnisse der Wiener Ballkultur sind seit heute im Neuköllner Schloss Britz ausgestellt. Zu sehen sind aufwendig gearbeitete Schmuckstücke wie Messingschatullen, Orden, Fächer und Bonbonnieren aus der Zeit von 1843 bis 1914, zum Teil im Jugendstil, die der Wiener Sammler Stephan Schwab-Trau in etlichen Jahren zusammengesucht hat. Nach Britz kam die Ausstellung wegen enger Verbindungen der Kulturstiftung des Schlosses zur Wiener Ausstellungsmacherin Brigitte Urban. Präsentiert werden in der kleinen Schau zudem Ballkleider und Krönchen, Notenblätter und Plakate.

Ein "Spezifikum der österreichisch-ungarischen Monarchie" nennt Schwab-Trau die Ballspenden, auch wenn sich der Brauch europaweit durchgesetzt hat. Ein Fächer bildet beispielsweise die bis 1918 zur k.u.k.-Monarchie gehörenden Volksgruppen ab, ein kleiner Kanonenturm erinnert daran, dass in der Adria-Hafenstadt Pula früher die österreichisch-ungarische Flotte vor Anker lag. Andere Ballspenden sind Zeugnis der veranstaltenden Berufsgruppe. Da hatte fast eine jede ein eigenes Fest: die Silberschmiede, die Köche, die Bäcker und die Kaffeesieder.

Inzwischen hat sich die Ballspende zum Werbegeschenk gewandelt. Wie stark das Ballwesen an sich aber auch heute noch zur Faschingszeit an der Donau zelebriert wird, wusste Christl Gräfin von Schönfeldt zu erzählen, die die Ausstellung gestern mit eröffnete. Bis zu 5000 Gäste kommen jährlich allein zum Opernball, den von Schönfeldt bis 1980 ausrichtete. Darunter seien normale Wiener, denen das Ereignis das Geld wert ist, Botschafter, Industrielle, die Regierung sowie Adlige, "soweit sie es sich noch leisten können". Den Sammler Schwab-Trau wird man auf den Bällen jedoch vergeblich suchen. Tanzen sei nicht seine Sache, sagt er. Er stöbere lieber auf Flohmärkten.Bis 7. Mai, Schloss Britz; Alt-Britz 73; dienstags bis donnerstags 14 bis 18 Uhr, freitags bis 20 Uhr, sonnabends und sonntags 11 bis 18 Uhr; Eintritt sechs, ermäßigt vier Mark.

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