Berlin : Ausstellung: Im "Tiefflug" von Gatow nach Tegel

Rainer W. During

Spandau/Reinickendorf. Sieben Jahre nach der Übergabe an die Bundeswehr arbeiten wieder britische Luftwaffensoldaten auf dem früheren Flugplatz Gatow. Die Angehörigen einer Spezialeinheit für die Bergung und den Transport von Flugzeugen demontieren eine ehemalige Trainingsmaschine der Royal Air Force, die am heutigen Dienstag und am morgigen Mittwoch in Einzelteilen zur Ausstellung "Alliierte in Berlin" am Flugplatz Tegel geschafft wird.

Die zweimotorige Vickers Varsity stand ab 1952 genau 8143 Flugstunden lang als Trainingsmaschine zur Ausbildung von Piloten und Navigatoren im Einsatz der britischen Luftwaffe. Im Juli 1977 hatte sie zu ihrer 5146. und letzten Landung in Gatow angesetzt und der dortigen Feuerwehr vorübergehend als Übungsobjekt gedient. Anlässlich der Berliner 750-Jahr-Feier schenkten die Briten den Oldtimer 1987 dem damaligen Museum für Verkehr und Technik. Weil dort kein Platz ist, blieb der Flugzeug-Veteran jedoch bis heute auf seinem Abstellplatz auf dem geschlossenen Airport und drohte dort zu verrotten.

Auf ihrem Gelände am Kurt-Schumacher-Damm haben die Allied Military Vehicle Drivers indessen vor gut einem Jahr eine technisch-historische Ausstellung eröffnet, die in Ergänzung zum Alliierten-Museum in lebendiger Form an die Zeit des Viermächtestatus der Stadt erinnern soll. Bereits 1985 hatte der Vorsitzende Thomas Lenke, Personalentwickler bei der Gasag, einen 1942 gebauten Dodge-Geländewagen aus amerikanischen Beständen erworben und restauriert, der neun Jahre später bei zahlreichen Abschiedsveranstaltungen der Schutzmächte zum Einsatz kam. Was als Zusammenschluss von Freunden historischer Fahrzeuge begann, versucht als gemeinnütziger Verein längst, die Zeit der Alliierten in vielseitiger Form darzustellen. So gibt es in den Gebäuden des ehemaligen französischen Kohlenlagers neben einer Werkstatt für die Instandsetzung der inzwischen umfangreichen Oldtimer-Flotte auch Ausstellungen zur Luftbrücke und zur 49-jährigen Präsenz der vier Nationen in Berlin. Auf dem Freigelände steht neben einem Wachturm des französischen Munitionsdepots ein Kommandowaggon des amerikanischen Interzonenzuges und auf die britische Varsity wartet bereits ein französischer Fouga Magister-Strahltrainer.

Dank eines Sponsors konnte man sich für den Transport des Oldtimers von Gatow nach Tegel die Unterstützung der Briten sichern, die erst kürzlich in ihrer Heimat eine Maschine des gleichen Typs demontierten und somit über das notwendige Fachwissen verfügen. Die Varsity wird dann als Leihgabe des Deutschen Technik-Museums ein weiteres Highlight der Ausstellung, die mittwochs, sonnabends und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet ist (Zufahrt neben der Autobahnauffahrt, ab Kurt-Schumacher-Platz ausgeschildert). Eines Tages, so hofft Lemke, soll die Schau um einen amerikanischen Huey-Hubschrauber und eine russische Mig ergänzt werden.

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