Ausstellung in der Galerie Nord : CDU erhebt Vorwurf des Antisemitismus

Keine Ruhe in der Galerie Nord: Erst wurde die Schau der dänischen Künstlergruppe Surrend von wütenden Muslimen bedroht. Nun müssen sich die Künstler den Vorwurf anhören, ihre Ausstellung sei antisemitisch.

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Künstler Jan Egesborg vor einem Bild der Ausstellung. -Foto: ddp

BerlinNach der Kritik von Muslimen wegen einer Mekka-Karikatur muss sich der Kunstverein Tiergarten in Berlin nun auch mit dem Vorwurf auseinandersetzen, die Ausstellung der dänischen Künstlergruppe Surrend in seiner Galerie sei "eindeutig antisemitisch und antijüdisch". Entsprechende Vorwürfe hatte am Dienstag der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Michael Braun, erhoben. Die Ausstellung in der Galerie Nord in Berlin-Moabit war Ende Februar aus Sicherheitsgründen vorübergehend geschlossen worden, nachdem sie von Muslimen heftig angegriffen und bedroht worden war.

Das Thema der Ausstellung sei eine Kritik an der rechtsextremen Verschwörungstheorie, der zufolge Zionisten beziehungsweise Juden die gesamte Politik und Wirtschaft unterwandern würden. Dies werde satirisch aufs Korn genommen, betonte der Kunstverein am Mittwoch in einer Presseerklärung. Mehrere Plakate machten sich auch über die NPD, ihre Wähler und deren antisemitische Ansichten lustig. Ein Plakat kritisiere auch "extrem religiöse Juden und ihre bisweilen rassistischen Ressentiments gegenüber Arabern".

Der Kunstverein wies darauf hin, dass der Däne Jan Egesborg, der Kopf der Künstlergruppe Surrend, selbst Jude sei und sich einige der wichtigsten Aktionen der Gruppe in den vergangenen Monaten gegen Rechtsextremismus und die NPD in Deutschland gerichtet hätten. Die jetzige Attacke des CDU-Politikers zeige, "wie schwer es zurzeit in Europa ist, politische Satire zu machen", meinte der Kunstverein.

Braun hatte nach einem Besuch der Ausstellung die Ansicht vertreten, die Plakate und Bilder seien "nicht akzeptabel". Antisemitismus dürfe sich nicht "unter dem Deckmantel der Kunstfreiheit verstecken".

Die Ausstellung war nach der Schließung am 4. März wiedereröffnet worden und ist noch bis zu diesem Freitag (28. März) zu sehen. (ut/dpa)

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