Ausstellung in Friedrichshain : Kunst für den Kater

Die Betreiber des Kater Holzig haben ihr Faible für Kunst entdeckt: mit einer Lichtinstallation von Robert Montgomery auf der gegenüberliegenden Uferseite und einer Skulpturenausstellung von Terence Carr. Das ist erst der Anfang.

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Der Künstler Robert Montgomery vor seiner Lichtinstallation auf dem Holzmarkt-Gelände in Friedrichshain. „Die Stadt ist wilder, als du denkst und freundlicher, als du denkst“, steht darauf.
Der Künstler Robert Montgomery vor seiner Lichtinstallation auf dem Holzmarkt-Gelände in Friedrichshain. „Die Stadt ist wilder,...Foto: David Heerde

Eine Szene wie im Film – fast zu schön, um wahr zu sein. Zwei Bagger stehen auf dem leeren Ufergrundstück an der Holzmarktstraße in Friedrichshain, ihre Schaufeln ruhen im sandigen Boden. Aus der Ferne wabert Stimmengewirr durch die Nacht, zwischen den Bäumen am Wasser hängen bunte Lampions. Robert Montgomery sitzt auf der Erde und bläst Zigarettenrauch in die Dunkelheit. Über seinem Kopf leuchtet eine LED-Wand mit weißen Buchstaben: Die Stadt ist wilder, als du denkst und freundlicher, als du denkst, steht da auf Englisch. Den Spruch scheint Montgomery eigens für diesen Moment geschaffen zu haben.

Wenn es einen Ort gibt, an dem Berlin noch richtig wild sein darf, dann hier. Es ist das Gelände, auf dem sich bis vor drei Jahren die legendäre Bar 25 befand; das Gelände, auf dem am nächsten Mittwoch der erste Spatenstich zum Holzmarkt-Kulturdorf erfolgen wird. Wenige Tage vor Baubeginn darf Robert Montgomery hier seine Installation enthüllen. Zustande gekommen ist das Projekt in Kooperation mit der Galerie AJL Art, die Montgomery vertritt und die ihn zur Vernissage an diesem Abend extra aus London einfliegen lassen hat. „Ich mag diesen Ort“, sagt der Künstler und schaut auf das Wasser. Einen Moment lang ist es ganz still, dann rattert in einiger Entfernung wie ein überdimensionaler Glühwurm die S-Bahn vorbei.

Ihre volle Wirkung entfaltet Montgomerys Installation, die noch die kommenden sechs Monate stehen wird, erst von der anderen Uferseite aus: wenn man vorm Kater Holzig in Mitte steht, dem Nachfolgeprojekt der Bar-25-Macher. So wie die Dutzenden Besucher, die an diesem Mittwochabend zur feierlichen Präsentation des Kunstwerks geladen sind. Mit leuchtenden Augen blicken sie zu der Textwand, einige zücken ihr Handy für ein Foto. Ein paar Meter entfernt stimmt jemand ein Ständchen an. Kater-Holzig-Betreiber Christoph Klenzendorf feiert seinen 39. Geburtstag.

Abschied vom "Kater Holzig"
Abschied mit Knalleffekt. Am 6. Januar 2014 machte sich der Kater Holzig von dannen, natürlich nicht auf Samtpfoten, sondern mit Blitz und Donner. Die Macher mögen Feuerwerk, wie dieses Foto von einer anderen Feier zeigt.Weitere Bilder anzeigen
1 von 21Foto: Imago
06.01.2014 14:54Abschied mit Knalleffekt. Am 6. Januar 2014 machte sich der Kater Holzig von dannen, natürlich nicht auf Samtpfoten, sondern mit...

Bereits im vergangenen Winter haben die Kater-Betreiber ihr Faible für die Kunst entdeckt und eine erste Ausstellung gezeigt. Nun knüpfen sie daran an, „KaterArtig“ heißt das Projekt, das unabhängig von Montgomerys Installation läuft. „Wir wollen das diesen Sommer intensivieren“, sagt Sven Kilian, einer der Kater-Holzig-Geschäftsführer. Derzeit stellt Holzkünstler Terence Carr seine Arbeiten im Kater aus. Verschlungene Tierskulpturen in leuchtend bunten Farben, zum Teil mannshoch.

Es ist nur logisch, dass die Betreiber ihr kreatives Potenzial neuerdings offensiv zur Schau stellen. Unlängst wurde unter den Mitarbeitern eine Umfrage durchgeführt, dabei kam heraus, dass die meisten neben ihren erlernten Berufen auch künstlerisch tätig sind. Daher habe man eine Plattform schaffen wollen, die Werke der Mitarbeiter zu zeigen, sagt der Geschäftsführer. Ohne kommerzielle Überlegungen. Man könne das nur durchziehen, wenn man hinter der Sache stehe. Soll heißen: Externe Künstler, zu denen die Betreiber keinen persönlichen Bezug haben, brauchen gar nicht erst anzufragen, ob sie ihre Arbeiten auf dem Gelände zeigen dürfen.

Die Planung der Ausstellungen für die nächsten Monate steht bereits. Genauer gesagt: bis Ende August, denn dann läuft die Zwischennutzungsgenehmigung für die ehemalige Seifenfabrik aus. Das sei der aktuelle Stand, so Geschäftsführer Sven Kilian. Und daran werde sich wahrscheinlich auch nichts ändern.

Doch was auf der Mitte-Seite des Spreeufers begonnen hat, soll auf der Friedrichshainer Seite weitergeführt werden. Auch auf dem künftigen Holzmarkt sollen sich die Mitarbeiter in Sachen Kreativität und Schaffensdrang austoben dürfen. Geplant ist zum Beispiel eine Galeone in Originalgröße.

Die Terence-Carr-Ausstellung im Kater Holzig kann dienstags bis samstags im Rahmen der regulären Restaurantöffnungszeiten ab 19 Uhr besichtigt werden.

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