Ausstellung in Kreuzberg : Architekt baut Mehrzweckmöbel fürs Hartz-IV-Budget

03.06.2011 10:14 Uhrvon
  • Selbstgemacht. Le Van Bo inmitten seiner Hartz-Möbel im Betahaus. Foto: Paul Zinken
    Selbstgemacht. Le Van Bo inmitten seiner Hartz-Möbel im Betahaus. Foto: Paul Zinken
  • Im Rahmen des Internationalen Design Festival wird eine Musterwohnung für Menschen mit wenig Geld ausgestellt. Foto: dapd
    Im Rahmen des Internationalen Design Festival wird eine Musterwohnung für Menschen mit wenig Geld ausgestellt. - Foto: dapd
  • Der Architekt Van Bo hat die kreative "Hartz-IV-Wohnung" entworfen. Foto: dapd
    Der Architekt Van Bo hat die kreative "Hartz-IV-Wohnung" entworfen. - Foto: dapd

Le Van Bo entwirft Möbel die günstig sind, verschiedenen Zwecken dienen und auch in kleine Wohnungen passen. 1800 Mal hat er die Baupläne bereits verschickt.

Man nehme ein Kiefernbrett, Teppichgurte, Nägel, zwei Kissen und 24 Stunden Zeit: Fertig ist der Designersessel. Gerade einmal 24 Euro soll dieses minimalistische Sitzmöbel im Eigenbau kosten. Entworfen hat es der junge Berliner Architekt Le Van Bo, der ihn und weitere Möbel bis Sonntag in der Kreuzberger Kreativwerkstatt Betahaus präsentiert. Der Stuhl ist Teil einer dort aufgebauten und von ihm erdachten „Hartz-IV-Wohnung“. 21 Quadratmeter, so viel wie die kleinste genormte Einzimmerwohnung im Plattenbau, gab er seinem Möbelexperiment.

„Es geht mir darum, auf engstem Raum ein Maximum an Lebensqualität zu ermöglichen“, sagt Van Bo.

Für möglichst wenig Geld. Deshalb dienen die meisten seiner Möbel mehr als nur einem Zweck: Der „Berliner Hocker“ ist zugleich Regal oder Trennwand. Das Siwo-Sofa (Single-Wohnungs-Sofa), das mitten im Raum steht, wird nach kurzem Umbau zum Bett. Sein Bettkasten ist zugleich die Sitzbank für einen großen Esstisch und die Grenze zwischen Arbeits- und Erholungsbereich. „Gerade wer wenig Platz hat, sollte die Möbel in die Mitte des Raums stellen“, sagt Van Bo. Viele Einzimmerwohnungen erinnerten eher an eine Turnhalle: „Alles steht an den Rändern.“ Wenn man dagegen um etwas herumlaufen müsse, erlebe das Gehirn den Raum als größer.

1800 Mal hat Van Bo die Baupläne bereits verschickt. Sie sind bei ihm beinahe für umsonst zu bekommen. Als Gegenleistung will er die Geschichte der Interessenten hören, was sie zum Möbelbau gebracht hat. Und ein Foto, wenn ein Möbel fertig geworden ist. Fast alle Interessierten eine, dass sie wenig Geld und hohe Ansprüche hätten, sagt Van Bo. Viele Arbeitslose, Rentner und Studenten seien darunter.

Das Projekt wird von der Wohnungsbaugesellschaft Howoge gefördert, die überwiegend Plattenbauten im Bestand hat. In Buch könnte bald eine Musterwohnung mit Van Bos Möbeln entstehen.

Mit Geldnöten kennt sich Van Bo aus. Ende der 70er Jahre kam er mit seinen Eltern aus Laos nach Berlin, lebte zunächst im Märkischen Viertel, später in Wedding und Mitte. Der Vater arbeitete als Gabelstaplerfahrer, die Mutter montierte Kassetten in einer Fabrik. Oft habe es nicht gereicht. Der Nutzen am Selberbauen liegt für Van Bo auf der Hand. Am Ende sehe man, was entstanden ist, sagt er. „Die Maserungen, Astlöcher, Unebenheiten: Wenn du weißt, wie man mit Holz umgeht, weißt du, wie man mit Menschen umgeht.“

Ausstellung noch bis Sonntag, täglich ab 10 Uhr, Prinzessinnenstraße 19. Infos: www.hartzivwohnung.blogspot.com

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