Berlin : Ausstellung mit Fotos in der Grunewaldstraße 6-7 - "Anpassung war wie Verrat"

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Rebellieren, dem Alltag entkommen, anders sein - das wollten die jungen Generationen auf beiden Seiten der Mauer. Nur die Möglichkeiten zum Austoben waren verschieden. Im Westen der 80er Jahre traf sich die Szene in Kneipen, Konzertsälen und Diskotheken im Osten eher im Privaten, auf ausschweifenden "Tropen"- oder "Neon-Parties". "In sich gekehrt" bezeichnet die Berliner Fotografin Barbara Metselaar-Berthold im Rückblick die OstBerliner Partykultur jenes Zeitraums, "ekstatisch" und "zersplittert" die auf der anderen Seite. Im Schöneberger Haus am Kleistpark kann man sich nun selbst ein Bild machen von den "Subkulturen" vor dem Fall der Mauer, hüben und drüben.

Barbara Metselaar-Berhold und ihr WestBerliner Kollege Thomas Leuner haben sie ausschnittsweise festgehalten. Sie zeigt durchzechte Nächte in Altbauwohnungen in Prenzlauer Berg, er durchgestylte Jugendliche in Punkschuppen wie dem K.O.B und dem SO 36, oder dem Metropol - Bilder aus einer Zeit als Frisuren noch eine Lebenseinstellung ausdrücken sollten, als man als "Verräter galt, wenn man zu angepasst war" (Leuner). "Zustandsbericht einer Generation" nennt die Leiterin des Schöneberger Kunstamts, Katharina Kaiser, die Fotoausstellung, die morgen eröffnet wird.

Hauptsächlich Schwarzweiß-Aufnahmen sind in drei Räumen zu sehen. Neben "Feste 1982 bis 84" zeigt Metselaar-Berthold, Absolventin der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, Porträts von Bekannten: Resignierte Gesichter eines Bildhauers, eines Architekturkritikers, eines Schriftstellers, aufgenommen kurz vor der Ausreise der Fotografin 1984. Ihr Thema ist aber auch der anarchistische Witz, den einige ihrer Weggenossen bewahren konnten. Leuner, Schüler von Michael Schmidt, hat zudem den Alltag in seiner Kreuzberger Groß-Wohngemeinschaft fotografiert. Die Bilder zeigen Kinder auf der Toilette, eine Küche mit Telefonecke, überquellender Garderobe und Fahrrädern, Teilnehmer des Experiments alternatives Leben.

Beide Fotografen verzichten weitgehend auf Titel und Texte. Der Besucher soll die Fotos rein visuell erschließen.Bis 24. Oktober, Di. bis So. 12 bis 18 Uhr, Grunewaldstraße 6-7.

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