Ausstellung : Schick, schön, sauteuer: Der Mythos Prenzlauer Berg

Besser wird’s nicht mehr: Der soziale Wandel in Prenzlauer Berg ist abgeschlossen. Was hat er gebracht? Eine Diskussion über 20 Jahre Gentrifizierung.

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Willkommen in Prenzlauer Berg! Begleiten Sie uns auf einen Bummel in Bildern durch den Stadtteil. Hier stehen...Weitere Bilder anzeigen
Foto: Doris Spiekermann-Klaas.
13.05.2011 14:59Willkommen in Prenzlauer Berg! Begleiten Sie uns auf einen Bummel in Bildern durch den Stadtteil. Hier stehen...

Tom Sello hat sich abgefunden mit den Verhältnissen. „Ich finde die Entwicklung wunderbar. Ideal für mich.“ Er ist hier sehr allein. Donnerstagabend im Museum Pankow, „Mythos Prenzlauer Berg“ heißt die Veranstaltung, und es geht um die Verwandlung des Bezirks vom Arbeiterquartier zur Yuppiemeile. Und sowohl die anderen auf dem Podium als auch die im Publikum sehen die Sache eher kritisch. Kein Yuppie weit und breit.

Man kann auch nicht sagen, dass Tom Sello einer wäre, auch wenn er die Haare schon mal länger trug. Eine Kaufwohnung in seiner Gegend könnte er sich kaum leisten. Er ist Vergangenheitsaufarbeiter bei der Robert-Havemann-Gesellschaft.

Inzwischen hätte er es auch sehr schwer, eine bezahlbare Mietwohnung in seinem Kiez zu finden. Dennoch freut er sich, dass es so gekommen ist, „alles schick und schön“. Die Rolle des Buhmanns spielt er offensichtlich gern, zum Glück, denn irgendjemand muss doch auch mal sagen, dass intakte Häuser besser sind als die zerbröselnden, und dass das Geld für die Reparaturen vor 20 Jahren irgendwoher kommen musste – seinetwegen aus dem Westen, wenn es im Osten keines gab.

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Das New Yorker Guggenheim Lab in Prenzlauer Berg.
Guggenheim Lab

Nur die schönen politischen Ziele der neunziger Jahre, „behutsame Stadterneuerung“, „sozialverträglicher Wandel“ wurden weit verfehlt, so viel ist sicher. Wolfram Kempe ist einer, dem man die anarchistische Vergangenheit – die er mit Sello teilt – noch etwas mehr ansieht. Als Bezirkspolitiker von der Linken hat er die Sanierungspolitik aktiv verfolgt. Er sagt, dass man einen Einwohneraustausch von 50 Prozent für normal gehalten hätte, damals, als die „Sanierungsgebiete“ ausgerufen wurden.

Gerade einmal 20 Prozent der alten Einwohner seien aber da geblieben, der Rest vertrieben. „Ihr von der PDS seid doch selber schuld“, ruft es aus dem Publikum, „ihr wart doch lange an der Macht!“ „Ach“, sagt Kempe da, „die Gestaltungsmacht der Politik wird gerne überschätzt.“ Was sollen Politiker denn machen, wenn Gerichte die Mietobergrenzen verbieten?

So hetzt Berlin gegen Schwaben:

Berlin hetzt gegen Schwaben
Einsam kämpft ein junger Schwabe in Berlin gegen Schwabenhass, der sich beispielsweise auf der Karaokebühne im Mauerpark äußert. Er übermalt das Kürzel des Schwabenhassers mit einem Kaninchenkopf und machte aus dem Wort "Hass" das Wort "Hase".Alle Bilder anzeigen
1 von 8Foto: Doris Spieckermann-Klaas
29.08.2011 14:00Einsam kämpft ein junger Schwabe in Berlin gegen Schwabenhass, der sich beispielsweise auf der Karaokebühne im Mauerpark äußert....

Wenn die ehedem kommunalen Häuser an die alten Eigentümer zurückgegeben wurden und die Wohnungen schließlich der Profitmaximierung dienten? Blauäugig seien alle gewesen, damals und heute klüger.

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