Ausstellung über Beziehung der DDR und UdSSR : Zwei Freunde sollt ihr sein

Die engen Bande zwischen der DDR und der UdSSR waren zum großen Teil von oben verordnet. Eine Ausstellung erinnert an die Beziehungen der beiden Staaten und ihrer Menschen.

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Die Ausstellung über die sowjetische Besatzung von 1945 bis 1994 im Abgeordnetenhaus.
Die Ausstellung über die sowjetische Besatzung von 1945 bis 1994 im Abgeordnetenhaus.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Durch die Säulenhalle im ersten Stock des Abgeordnetenhauses weht plötzlich ein Hauch Geschichte: Eine von Tränen erstickte Stimme verkündigt den Abschied vom „geliebten großen Führer Josef Wissarionowitsch Stalin“, dem nun angeblich Milliarden Menschen nachtrauern, wenn sein Leichnam im Mausoleum auf dem Roten Platz verschwindet.

Getragene Musik untermalt die akustische Szene, wie sie als Ton-Collage aus einem alten Radio quillt. Johannes R. Bechers hymnisches Pathos auf den lieben Gott aller Werktätigen verliert sich zwischen den Säulen, wenn flotte Marschmusik als Ode an „unsere geliebten Waffenbrüder und Freunde“ zum Eigentlichen überleitet: Mit einer Ausstellung erinnert das Abgeordnetenhaus an die sowjetische Besatzung zwischen dem Kriegsende 1945 und dem Abzug der Roten Armee aus Deutschland 1994.

Ab und an gab es Freundschaften

Die DDR samt Sozialis-, Stalinis- und Leninismus gab es so nicht mehr, der kalte Krieg hatte sich theoretisch erledigt. Aber die Anwesenheit der Befreier und Besatzer, die fast ein halbes Jahrhundert mit einer riesigen Armee das Ländchen zwischen Oder und Elbe an der Nahtstelle zweier Systeme fest im Griff hielten, hinterließ Spuren. Auf 20 Tafeln mit Bildern und Texten folgt ihnen die Filmemacherin Freya Klier, ganz chronologisch von der deutschen Kapitulation 1945 bis zum Abzug der „Freunde“ – bei diesem Wort sprachen viele die Tüttelchen mit: Die unverbrüchliche Freundschaft war mehr oder weniger verordnet.

Ab und an gab es Freundschaftstreffen, aber Punkt 22 Uhr rollte der Bus mit den Rotarmisten zurück in die Kasernen, wo die jungen Männer niederen Dienstgrads ein trauriges Dasein fristeten. „Da waren manchmal in einem Raum 70 Betten, und jeder hatte für seine Habe nicht mehr als einen Hocker zur Verfügung“, erzählt uns bei der Ausstellungseröffnung Rainer Eppelmann, der als letzter Verteidigungsminister in der schon umgekrempelten DDR den Abzug der Besatzer und den Austritt der DDR aus dem Warschauer Pakt mitorganisieren konnte.

"Vergessen Sie nicht, wer verloren hat"

„Das war eine ungeheure logistische Aufgabe“. In der DDR waren 362.680 Soldaten, über 100.000 Zivilisten, fast 6000 Kampfpanzer und fast 10.000 Schützenpanzerwagen und 4600 Kanonen stationiert, von Flugzeugen und einer unbekannten Zahl Atomraketen abgesehen.

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Rainer Eppelmann erinnert sich noch, als er vor den Chefs der Roten Armee auf den Zustand der Kasernen und die Umweltzerstörungen zu sprechen kam. Da sprang der Oberkommandierende plötzlich auf und schrie den Deutschen an: „Vergessen Sie nicht, wer den Zweiten Weltkrieg verloren hat!“ Ein anderer Militär bewunderte den Pastor mit der Schirmmütze, der einen neuen Ton in die Truppe gebracht hatte: „Die vor ihnen sagten immer nur Da, Da, Sie sagen auch mal Njet!“

Liebschaften mit Folgen

Als „arme Schweine“ befanden die Ostdeutschen die kasernierten Russen. „Statt den Soldaten die Freiheit zu lassen, abends zum Tanzen oder zu deutschen Familien zu gehen, waren Kontakte verboten“, sagt Freya Klier, die 15 Monate lang Material zusammengetragen und dabei gefunden hat, dass es auch Dramen gegeben hat: Heimliche Liebschaften, die nicht ohne Folgen blieben: Deutsche Kinder suchen und finden ihre russischen Väter und entdecken Geschwister, von denen sie nichts ahnten.

„Heutige Freundschaften beruhen auf gegenseitigen Interessen“, sagt der Präsident des Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland. Wie viele Ex-Sowjetbürger verbrachten einen Teil ihres Lebens in der DDR? Historiker schätzen: Zehn Millionen. Druschba ist wieder aktuell.

Die Ausstellung im Abgeordnetenhaus in der Niederkirchnerstraße läuft bis zum 30. August. Geöffnet ist bei freiem Eintritt von 9 bis 18 Uhr.

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