Ausstellung : Vernissage auf dem Mauerstreifen

Kanadas Botschaft zeigt Fotos vom geteilten Berlin. Für Bundestagspräsident Norbert Lammert, der in diesen Tagen ungezählte Veranstaltungen zum Mauerfall eröffnet, sticht diese eine Ausstellung aus der Masse der Jahrestagsfeiern heraus.

„Diese Veranstaltung zeigt, dass der Fall der Mauer nicht nur ein lokales, sondern ein globales Ereignis war“, sagte der Lammert am Montagabend in der Kanadischen Botschaft am Leipziger Platz. Lammert war einer der Eröffnungsredner der Doppelausstellung „Freedom Rocks – Images of the Berlin Wall“, bei der im Marshall- McLuhan-Salon der Botschaft erstmals in dieser Form 220 Schwarzweiß-Fotos der New Yorker Agentur Black Star zu sehen sind, die die deutsche Teilung, den Alltag im Schatten der Berliner Mauer und ihren Fall dokumentieren. Die Bilder gehören inzwischen zur Sammlung der Ryerson-Universität in der kanadischen Metropole Toronto. Neben den auf Bildschirmen präsentierten Fotos gibt es ein Foto-Videoprojekt der Künstler Blake Fitzpatrick und Vid Ingelevics zu sehen, die den Standorten von Mauerteilen in Nordamerika nachspüren.

In Kanada sind große Mauerfragmente unter anderem in Lunenburg, Halifax und Ottawa ausgestellt, wie Kanadas Botschafter Peter Boehm berichtete. Er erinnerte daran, dass dort, wo heute die Botschaft seines Landes steht, bis vor 20 Jahren der Todesstreifen verlief. Dass heute hier so eine Ausstellung möglich ist, sieht Boehm als „Symbol für die friedliche Überwindung von Konflikten“.

Der einstige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) rief dazu auf, die Erinnerung an die Teilung nicht schwächer werden zu lassen. Da aus seiner Sicht gerade für jüngere Menschen die Mauerjahre zunehmend gerade noch so bedeutsam seien wie der Dreißigjährige Krieg, forderte Diepgen die rund 150 Eröffnungsgäste dazu auf, die Erinnerung an Mauer und Kalten Krieg als „wirkungsmächtigen Mythos“ nicht verblassen zu lassen. Dazu könnten Ausstellungen wie die der Kanadier beitragen, da sie im Gegensatz zu Kunstprojekten wie der East-Side-Gallery auch die unmenschlichen Seiten der Mauer zeigten. lvt

Die Ausstellung „Freedom Rocks – Images of the Berlin Wall“ in der Botschaft von Kanada (Leipziger Platz 17) ist bis 18. Dezember montags bis freitags von 12 bis 17 Uhr geöffnet.

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