Ausstellung : Wie ein Mann die Welt veränderte

Im Alliierten-Museum eröffnete eine Ausstellung über Ronald Reagan. Der forderte einst: "Mr. Gorbatschov, tear down this wall."

Elisabeth Binder
Ronald Reagan
Berlin-Besucher. Ronald Reagan und Frau Nancy auf einer Fotografie. -Foto: dpa

Der Erfolg hat viele Väter, aber meistens hatte eben doch nur einer die gute Idee. Das trifft auch zu auf den berühmten Satz „Tear Down This Wall“, den Ronald Reagan vor zwanzig Jahren vom Brandenburger Tor aus an Mr. Gorbatschow richtete. Zwei Männer behaupten seit Jahren, der Satz stamme von ihnen: John Kornblum, der damals als US-Gesandter den Besuch für das State Department vorbereitete, und Peter Robinson, der Reagans Redenschreiber war. Aus Anlass der überaus sehenswerten Reagan-Ausstellung im Alliierten-Museum, „Tear Down This Wall“, die gestern Abend eröffnet wurde, kam Robinson nach Berlin.

Wie schon in seinem Buch „How Ronald Reagan Changed My Life“ beschrieb er gestern live, wie die Berlinerin Ingeborg Elz ihn auf diesen Satz gebracht habe. Und wie erschrocken er selbst damals über den Anblick des Todesstreifens war: „Das Schrecklichste, was ich je gesehen hatte.“ John Kornblum blieb auf telefonische Nachfrage bei seiner eigenen Darstellung und betonte, dass dieser Besuch das Werk von vielen gewesen sei. Für den Chef des Alliierten-Museums, Helmut Trotnow, ist der Streit völlig überflüssig. „Für den Prozess der Rede ist es ganz unwichtig, wer den geschrieben hat“, sagt er. Und fügt streng hinzu, dass man hier unbedingt das Persönliche vom Sachlichen trennen müsse.

Kornblum habe zum vorsichtigen Umgang mit dem Thema Mauer geraten und verschwiegen , dass er einen eigenen Entwurf für die Rede hatte, mit Vorschlägen zur Annäherung beider Stadthälften, etwa durch Jugendaustausch, sagte Robinson. Diese Passage kam auch vor in der Rede. Vor allem seitens des State Departments habe es heftige Einwände gegen seinen eigenen Satz „Tear Down This Wall“ gegeben, erzählte er weiter.

Reagan selbst habe er allerdings von Anfang an gut gefallen. Bevor er Präsident wurde, hatte er Hunderte von Reden selbst geschrieben und sie alle zerrissen, nachdem er sie gehalten hatte. Er war, wie sein ebenfalls angereister langjähriger Leibwächter John Barletta gestern erzählte, der uneitelste Mensch, den man sich vorstellen konnte. Nur dass er und Nancy immer in aller Öffentlichkeit so turtelten wie zwei verliebte Teenager im Drive-In-Kino, hätte die Umgebung ein bisschen genervt. Gegen alle Bedenken entschloss sich Ronald Reagan selbst, den Satz zu sagen. „Die Jungs vom State werden mich umbringen“, sagte er vorher. Aber das war ihm egal. Diese Entscheidung allein hat den Satz schließlich in die Welt gebracht. Elisabeth Binder

Bis zum 30. 12., donnerstags bis dienstags von 10 bis 18 Uhr. Eintritt frei.

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