Berlin : Ausstellung zur RAF: Kaum geplant, schon umstritten – und verschoben

Projekt will Terroristen ohne Weichzeichner in den Blick nehmen. Deswegen wird die Schau ein Jahr später eröffnet

Werner van Bebber

Es war und ist ein überaus heikles Projekt Projekt, das sich die „Kunst Werke“ in der Auguststraße vorgenommen haben. Nun aber ist die Ausstellung über die „Rote Armee Fraktion“ zum Politikum geworden, bevor auch nur das Konzept bekannt geworden wäre. Das hat Mainhardt Graf Nayhauß mit seiner Kolumne „Berlin vertraulich“ in der „Bild“-Zeitung vom Dienstag bewirkt. Dort fragt der Graf: „Warum zahlt Berlin 100 000 Euro für Skandal-Ausstellung über RAF?“

Tatsächlich hat der Hauptstadtkulturfonds im Januar genau 100 000 Euro für eine Schau mit dem simplen Titel „Rote Armee Fraktion“ bewilligt, mit Kuratoriumsberatung und gemeinsamem Beschluss der Bundesregierung und des Senats. Wer den Umgang mit der Roten Armee Fraktion, dem Terrorismus von Baader und Meinhof kritisch sah, konnte bei der wortkargen Ankündigung einer Kunstausstellung auf den unguten Gedanken kommen, dass sich hier ein Trend fortsetze, der seit Jahren zu beobachten war: Herr Baader und Frau Meinhof waren von einer unbekümmerten Generation zu Kultfiguren gemacht worden: Baader, der smarte Desperado mit den langen Koteletten, Ensslin, die blasse Heroine mit dem verlorenen Blick, Liebe der Terroristen zu schnellen Autos – das fand sich auf unmissverständlich-oberflächliche Weise zum Beispiel in einem Film über Baader und dann massenhaft in der Werbewelt.

Ob die Befürchtungen begründet waren oder nicht – die Ausstellungsplaner haben angeblich vor Wochen schon erkannt, dass sie viel mehr Zeit als veranschlagt für die Konzeption der Schau brauchen. Nicht im Herbst, sondern im November 2004 soll nun die Schau eröffnet werden. Beate Barner von den „Kunstwerken“ versichert, man wolle gerade der Naivität und Oberflächlichkeit entgegenarbeiten, die sich im Umgang mit der RAF gezeigt habe. Die Ausstellung soll sich „weitab jeder Glorifizierung oder Affirmation mit dem künstlerischen Umgang mit der RAF, mit Tätern und mit Opfern befassen“.

Darauf wird die Kulturstaatsministerin Christina Weiss als Geldgeberin ebenso ein Auge haben wie Thomas Krüger, Leiter der Bundeszentrale für politische Bildung. Sein Haus will ein Rahmenprogramm zu der Ausstellung machen. Darin werde es um „Entglorifizierung“ gehen und um die Frage gegen, wie die RAF trotz ihrer Bereitschaft zum Mord lange Zeit idealisiert werden konnte. Gerade die Angehörigen der Opfer sollen laut Krüger zu Wort kommen. Hergard Rohwedder, die Witwe des Treuhand-Chefs und RAF-Opfers Detlev Rohwedder, hat sich mit anderen Opfern Hilfe suchend an einige Politiker gewandt. FDP-Chef Guido Westerwelle teilte ihr gestern mit, er werde sich dafür einsetzen, dass kein Geld für eine Ausstellung ausgegeben werde, die sich einseitig mit dem deutschen Terrorismus auseinander setze. Die Ausstellungsmacher sind in der Pflicht.

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