Berlin : Austoben unterm Dach

In Berlin machen immer mehr Indoorspielplätze auf. In zwei Jahren könnten es bis zu zwanzig werden

Constance Frey

Einige von uns erinnern sich vielleicht noch aus eigener Erfahrung an die frühen Exemplare von Indoorspielplätzen: das Kinderparadies bei Ikea. Kind badete selig in einem Meer bunter Bälle, während Eltern in Ruhe Ivar-Regale aussuchen konnten. Das Kinderparadies heißt jetzt Småland und die Plastikbälle sind blau, doch der Service des schwedischen Möbelherstellers ist immer noch unentgeltlich. Daneben hat sich eine neue Gattung überdachter Spielplätze entwickelt, in denen sich Kinder gegen Eintritt in umgebauten Turn- oder Lagerhallen austoben können.

Die Geschäftsidee stammt aus den Vereinigten Staaten. 1997 eröffneten die ersten Indoor-Spielplätze in Deutschland, mittlerweile sind es rund 200. Was die Menschen hier suchen, sind, so Benno Hamann, Sprecher des Freizeitsportverbundes Fun Pool, „Events für ihre Kinder“. Und das lassen sich die Betreiber gut bezahlen: bis zu 14 Euro kostet die Tageskarte in einer Indoorspielhalle. Dafür können Kinder bis etwa 12 Jahre auf Plastikbahnen rutschen, Trampolin springen, Autoscooter fahren, auf Kletterburgen kraxeln und sich durch verschiedene Parcours kämpfen. Außerdem bieten die Betreiber Kindergeburtstage in den unterschiedlichsten Ausführungen an. Eltern vergnügen sich in Bars oder Restaurants, bis sich ihr Nachwuchs müde getobt hat.

In Berlin haben 2003 mehrere große Hallen aufgemacht, darunter auch das Bambooland in Lichterfelde. Torkjell Bauer, Erfinder und Betreiber der Anlage, ist mit dem Geschäft zufrieden. „Das Potenzial in Berlin ist groß.“ Zehn Indoorhallen gäbe es schon in der Stadt. In den nächsten zwei Jahren, schätzt er, können noch einmal so viel dazukommen. Die Anlage mit einem Pandabär als Wahrzeichen baut er gerade auf 1500 Quadratmeter aus. Sein Konzept stellt er auf internationalen Fachmessen vor. In Kürze sollen zwei weitere Hallen in Hannover und Dresden eröffnen.

Gerade für kleine Kinder sind die Hallen eine Spielmöglichkeit, ohne dass Heranwachsende sich auf den Lieblingstrampolins breitmachen. Klaus-Dieter Gröhler, Baustadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf hat die Spielhallen selbst mehrfach mit seinem Nachwuchs getestet. „Es ist ein sinnvolles Zusatzangebot zu Spielplätzen“, sagt er. Grundschul- und Kitagruppen zahlen auf Anfrage in den meisten Häusern einen reduzierten Eintrittspreis.

Kindergeburtstage sind in Indoorspielplätzen sehr gefragt. Im Bambooland gibt es bis zu 17 am Tag, bei Jacks Fun World in Wittenau finden täglich bis zu 25 Kinderfeste auf 4000 Quadratmeter Fläche statt. Wenn im Winter Hochsaison herrscht, kommen bis zu 2000 Besucher am Tag in die Wittenauer umgebaute Stahlbauhalle. Auf besonderen Wunsch erscheinen auch ausgefallene Partygäste. Frank Zander hat hier ein Ständchen gesungen, auch Herthino, das Manskottchen der Fußballmanschaft, und der Zauberer von Pomp, Duck and Circumstance waren schon da. Die Betreiber wollen ihre Geschäftsidee jetzt per Franchise weiterverkaufen.

Im Bambooland dürfen die Eltern mit auf die Spielwiese. Sollten sie dazu keine Lust haben, rät Torkjell Bauer, regelmäßig ein Auge auf die tobende Schar zu haben. Denn in Indoorspielplätzen liegt die Aufsichtspflicht bei den Eltern. In einigen Häusern können Animateure gebucht werden, aber das kostet extra. Allgemein lohnt sich ein Blick auf die Sicherheit, es gibt einen Spezial-Tüv für Spielgeräte, den Betreiber freiwillig abnehmen lassen können. Stoppersocken sollten die Kinder auch dabei haben – die Anlagen betritt man ohne Schuhe.

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