Berlin : Australien statt Spanien

Die 19 Jahre alte Janina Totzke vom BHC hat gute Chancen, zur WM zu fahren

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Von Stefan Hermanns

Wenn Janina Totzke Glück hat, wird sie ihre schönen Pläne ändern müssen. Eigentlich wollte sie ab November für ein paar Monate nach Spanien, um dort die Sprache zu lernen. Daraus wird vielleicht nichts. Wenn Totzke Glück hat, fliegt sie nämlich im November nach Australien – zur Hockey-Weltmeisterschaft. Schlimm fände sie das nicht. „Das wäre das Sahnebonbon", sagt sie.

Die Innenverteidigerin vom Berliner HC ist 19 Jahre alt, hat gerade ein Länderspiel bestritten und ist etwas überraschend von Bundestrainer Peter Lemmen in den Kader für die WM-Vorbereitungsreise der Nationalmannschaft nach Chile und Argentinien berufen worden. „Janina ist ein Riesentalent", sagt Lemmen. 20 Spielerinnen fliegen am Donnerstag nach Südamerika, von denen Lemmen 18 für den WM-Kader aussuchen will. Statistisch gesehen beträgt die Wahrscheinlichkeit also zehn zu eins, dass Totzke dabei sein wird. Dagegen spricht: Sie ist die jüngste der 20 Spielerinnen und hat die geringste Länderspielerfahrung.

Bundestrainer Lemmen sagt, dass Totzke nicht zwangsläufig die Streichkandidatin ist. Er habe nur Spielerinnen nominiert, die auch die Chance hätten, bei der WM unter die ersten 16 zu kommen. Und immerhin hat die Berlinerin bereits die etablierten Nationalspielerinnen Imke Rottgardt und Friederike Barth hinter sich gelassen. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich vor denen den Vortritt bekomme“, sagt Totzke. Doch so überraschend das alles gekommen ist, umso stärker spürt sie jetzt den eigenen Ehrgeiz, „die Chance, die ja greifbar ist“, zu nutzen: „Man will ja schon dabei sein.“

Vor einem halben Jahr war damit nicht zu rechnen. Im März hat Lemmen mit Totzke gesprochen, ihr mitgeteilt, dass er sie 2003 in den A-Kader einbinden wolle, in diesem Jahr aber werde das noch nichts mit der Nationalmannschaft. „Ihre Leistungen waren im vorigen Jahr nicht so, dass ich einen solchen Aufschwung erwartet habe“, sagt Lemmen. Entwicklungssprünge seien nun mal nicht zu berechnen. Wenn aber doch, „dann muss man natürlich zugreifen“. Totzke glaubt, dass der Meinungsumschwung etwas mit der Junioren-Europameisterschaft zu tun hat. Die Deutschen wurden Dritte und Totzke zur besten Spielerin des Turniers gewählt. Lemmen kann es sich nicht erlauben, Talente einfach zu ignorieren, „es kommt einfach zu wenig aus dem Nachwuchsbereich“, sagt er.

Seit Olympia vor zwei Jahren hat es nur eine Spielerin neu in die Nationalelf geschafft: Anneke Böhmert von Klipper Hamburg, die ihrem Team mit dem Tor zum 1:0 gestern gegen den Club an der Alster den Meistertitel bescherte. Janina Totzke ist die zweite. Lemmen sagt, dass die 19-Jährige noch widerstandsfähiger werden müsse. Sie sei ein „sehr netter und sehr lieber Typ“. Allerdings hat der Bundestrainer schon bei den Lehrgängen festgestellt, dass Totzke nach und nach ihren Respekt vor den gestandenen Nationalspielerinnen verloren hat. Lemmen sagt, dass Totzke noch „ein Stückchen mehr Drecksack“ werden müsse. Vielleicht lernt sie das bei der Weltmeisterschaft.

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