• Auswärtige Buchhändler dürfen nicht mitmachen - erfolgreiche Veranstaltung zum dritten Mal

Berlin : Auswärtige Buchhändler dürfen nicht mitmachen - erfolgreiche Veranstaltung zum dritten Mal

Johannes Metzler

Manch einer wäre gerne dabei, darf aber nicht. Bei Buchantiquar Udo Koch haben sich schon "Verlage gemeldet, die überhaupt nichts mit der Oranienstraße zu tun haben." Denen musste er ebenso absagen wie dem Buchhändler aus Leipzig, der kürzlich auch gerne bei der "3. Langen Buchnacht" mitgemacht hätte; denn das besondere Flair der "O-Straße" soll nicht durch Stände von auswärtigen Läden und Verlagen verloren gehen. Seit einem halben Jahr bereiten die Organisatoren die literarische Mondscheinveranstaltung vor. Uli Dehler, der im alternativen Buchladen "oh 21" arbeitet, will vor allem eines: "Den Spaß, den wir mit Büchern haben, an die Leute weitergeben."

Er gehört zusammen mit Udo Koch und Stefanie Hetze von der Buchhandlung "Dante Connection" zu denen, die vor zwei Jahren die erste Buchnacht ins Leben riefen. Damals fand sie im November statt, im vorigen Jahr beschloss man dann, die Veranstaltung auf den Sommer zu verlegen - "ein Riesenerfolg", sagt Koch, "wir hatten unsere Türen auf, und die Leute konnten durch die Straße flanieren." So wird es auch in diesem Jahr wieder sein. Wer Lust hat, kann sich ab drei Uhr nachmittags bis in die frühen Morgenstunden durch die Oranienstraße treiben lassen, sich die "Bekenntnisse eines Baulöwen" anhören, Comiczeichnern über die Schulter schauen oder ein Süppchen nach Originalrezept von Lina Morgenstern genießen.

Für das Angebot an den einzelnen Orten ist jeder Veranstalter selbst verantwortlich: Beim Programm redet niemand dem anderen rein, lautet eine goldene Buchnacht-Regel. Die ausgeprägte Toleranz in der Oranienstraße mag auch ein Grund dafür sein, dass sich Literaten in diesem Kiez besonders wohl fühlen. "Das literarische Leben hier pulsiert", sagt Stefanie Hetze. Zahlreiche Autoren wohnen in der Gegend, und manch ein Verlag quartierte sein Berliner Büro in der Nähe des Oranienplatzes ein. Und dann sind da natürlich die zahlreichen Buchläden im Kiez.

Einige haben ihre besondere Geschichte. Das Kollektiv des "oh 21" beispielsweise legt nach wie vor Wert auf die "Verzahnung von subversiver Theorie und schöner Literatur." "Eigentlich haben wir ein genauso ausgesuchtes Programm wie Dussmann oder Kiepert", sagt Uli Dehler, "nur eben anders." Auch das "Anti-Quariat" entstand im Zuge der alternativen Bewegung. Schwerpunktmäßig verkauft Udo Koch seit der Gründung im Jahre 1980 Bücher zu Arbeiterbewegung, Exil und Widerstand.

Eines aber hat sich in den letzten zwei Jahren geändert: Koch vertreibt seine Bücher überwiegend nicht mehr im Laden, sondern per Internet. Und während die großen Internet-Kaufhäuser sich mit enormem Werbeaufwand um neue Kunden bemühen, schickt Koch von seinem Laden in der Oranienstraße aus gebrauchte Bücher in die ganze Welt; ein Hauch Subversion ist da immer noch dabei. Ins ferne Brasilien hat er bereits ebenso verkauft wie nach Tadschikistan; "da war ich aber schon überrascht", gibt er zu.

Zum Buchhändler wurde übrigens keiner der drei über eine klassische Ausbildung. "Wir sind doch alle Exzentriker", meint Uli Dehler, der bereits während seines Philosophie-Studiums im Buchladen jobbte. Der gelernte Kaufmann Udo Koch kam über ein Kneipenkollektiv mit angeschlossener Buchhandlung zum Handel mit Büchern. Und im Fall Stefanie Hetzes ist das einfach nur "eine lange Geschichte - aber die Bücher, die waren eigentlich bei mir schon immer dabei." Und Italien, versteht sich; denn sie hat sich besonders auf Werke von Boccaccio bis Umberto Eco verlegt.

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