Auswärtiges Amt : Märchenhafte Diplomatie

Berliner und iranische Schüler führten ein Marionettenspiel im Auswärtigen Amt auf.

Eva Kalwa
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Gastspiel. Schüler aus dem iranischen Isfahan im Auswärtigen Amt. Foto: Thilo Rückeis

Kaum zu glauben, dass die zehn iranischen und acht deutschen Schüler sich erst seit zwei Tagen kennen. Bereits zum zweiten Mal spielen sie heute zusammen das Märchen „Goldapfelsins Tochter“, und ganz entspannt und fast schon freundschaftlich bewegen sich die Elf- bis 14-Jährigen dazu mit ihren selbst gebastelten Marionetten im Lichthof des Auswärtigen Amtes. Den Schülern der Berliner Internatsschule der Königin-Luisen-Stiftung und den Kindern der iranischen Kulturorganisation Kanoon ist zwar während des einwöchigen Aufenthalts der iranischen Schülergruppe ein Dolmetscher zur Seite gestellt, doch das primäre Ziel des Projekts ist der unmittelbare Austausch: „Märchen als universelles Kulturgut eignen sich hervorragend, um direkt miteinander in Kontakt zu treten. Notfalls mit Händen und Füßen“, sagt Manfred Grüter, Projektleiter für interkulturelle Arbeit am Internat in Dahlem.

Rund dreimal im Jahr finden zwischen der Berliner Privatschule und verschiedenen iranischen Schulen und Bildungsinstituten Schüleraustausche und gemeinsame Projektarbeiten statt, die das Auswärtige Amt 2009 mit 42 000 Euro fördert. Die Idee zu einer interkulturellen Zusammenarbeit mit ausländischen Schulen entstand im Jahr 2000, damals nahm das Internat an einer Großdemo gegen Fremdenfeindlichkeit teil. „Doch wir wollten mehr tun als nur demonstrieren“, sagt Grüter. Die Iranische Botschaft zeigte sich interessiert an einer Zusammenarbeit. So kam es 2003 zu einer ersten Reise von sechs deutschen Schülern in den Iran, 2004 folgte der Gegenbesuch. Neben den Märchen-Workshops gibt es Austausche für ältere Jugendliche, die mit einem dreiwöchigen Praktikum in Deutschland und dem Iran verbunden sind.

Der 14-jährige Mohammad aus Isfahan begleitet das Märchen um Goldapfelsins Tochter mit seiner Tanbur, einer dreisaitigen Langhalslaute. Es ist sein erster Besuch in Berlin, und er freut sich schon auf eine weitere Aufführung des Puppentheaters in Potsdam: „Schloss Sanssouci und dann noch den Berliner Dom zu sehen – das wünsche ich mir!“

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