Berlin : Ausweiserneuerung: Ansturm wegen abgelaufener Personalpapiere: Ämter müssen passen

Ole Töns

Warteschlangen, wütende Bürger und überlastete Mitarbeiter - dies droht in den kommenden Wochen den stark besuchten Meldestellen der Bezirke. Es sind nur noch wenige Wochen bis zur Hauptreisezeit, und bei mehr als einer halben Million Berlinern sind Pässe oder Personalausweise abgelaufen. Denn viele Bürger aus dem Ostteil der Stadt haben ihre ersten bundesdeutschen Papiere vor einem Jahrzehnt erhalten.

Allein 1991 wurden nach einer Statistik des Landeseinwohneramtes (LEA) fast 450 000 Pässe mit einer Geltungsdauer von fünf oder zehn Jahren ausgegeben. Nur 150 000 waren es zum Vergleich dagegen im letzten Jahr. "Insgesamt kommt es bei den Personalpapieren zwar schon seit Mitte letzten Jahres zu mehr Anträgen", sagt der zuständige Abteilungsleiter des LEA, Andreas Block. "Doch die Masse macht sich erfahrungsgemäß erst vor den großen Ferien in die Ämter auf." Produktionsstau in der Bundesdruckerei ist die Folge: Bis zu acht Wochen dauert es bei stark erhöhtem Bedarf, bis diese einen Pass liefern kann.

Schon jetzt sind vor allem die Ämter östlicher Innenstadtbezirke immer wieder völlig überlastet. Von erhöhten Krankenständen unter den Mitarbeitern der Meldestelle 31 in der Brunnenstraße 175 berichtet der Leiter des Bürgeramtes in Mitte, Ronald Schäfer. Etwa wenn dort die Schalter am Donnerstag bis 19 Uhr geöffnet bleiben, kommt es laut Schäfer zu Schlangen in den Fluren und Spannungen zwischen Wartenden und Mitarbeitern. In der viel besuchten Meldestelle des Großbezirks Pankow in der Froebelstraße 17 konnten Spitzenwartezeiten nur durch eine neue Aufrufanlage mit Wartenummern auf etwa zwei Stunden gedrückt werden, wie Rathaussprecher Tobias Schietzelt sagt.

Etwa 20 Prozent mehr Anträge als in normalen Zeiten registriert die zuständige Amtsleiterin in Friedrichshain-Kreuzberg, Sieglinde Häntzschel. Dort muss vor allem in den Meldestellen des ehemaligen Ostbezirks in der Friedensstraße 32 und in der Petersburger Straße 85 mit Wartezeiten von bis zu drei Stunden gerechnet werden. Die Zustände in der zentral gelegenen Meldestelle in der Friedrichstraße will die Amtsleiterin gar nicht erst kommentieren. Die Nerven bei Mitarbeitern und Wartenden liegen seit langem immer wieder blank, weil das Personal nicht ausreicht. "Im Verhältnis zur Bevölkerung des Bezirks haben wir genau so viele Mitarbeiter wie die Randbezirke. Aber der Andrang ist viel größer, weil viele Beschäftigte der umliegenden Bundesinstitutionen ihre Mittagspause für den Behördengang um die Ecke nutzen."

Die Empfehlung der Amtsleiter für Reisewillige mit abgelaufenen Pässen lautet übrigens einhellig: früh aufstehen und bald den Antrag stellen. Sofern die Meldestellen bereits um 7.30 geöffnet haben, sollte diese Zeit den Tagen mit verlängerten Öffnungszeiten vorgezogen werden, an denen zumeist Massenandrang herrscht.

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