Autbahn 9 weiterhin im Nebel : Schlechte Sicht nach Massenkarambolage

Nach der Massenkarambolage ermittelt die Polizei – und warnt vor Sandsturm.

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Nach der Katastrophe: Die Fahrbahn ist gereinigt worden, die Gefahr aber noch nicht komplett gebannt.
Nach der Katastrophe: Die Fahrbahn ist gereinigt worden, die Gefahr aber noch nicht komplett gebannt.Foto: dapd

Die Polizei hat am Donnerstag ihre dauerhafte Präsenz am Ort der Massenkarambolage vom späten Dienstagabend auf der Autobahn A 9 beibehalten. Es gibt zwar nach dem Ende der Aufräumarbeiten an der wichtigen Strecke zwischen Berlin und Leipzig keine Behinderungen mehr, aber die Sicht könnte sich hier innerhalb kurzer Zeit wieder verschlechtern. Der Großbrand in einem großen Mülllager bei Neuendorf, rund zwei Kilometer von der Autobahn entfernt, ist trotz des Einsatzes von mehreren hundert Feuerwehrleuten noch immer nicht völlig gelöscht.

Das Feuer mit möglicherweise starken Rauchwolken könnte sich also jederzeit wieder entfachen. „Deshalb sind wir permanent an der Autobahn im Einsatz, um sofort die Autofahrer über das Radio vor Gefahren zu warnen“, sagt Polizeisprecher Thomas Ringel. Die Autobahn verlaufe zwischen den Ausfahrten Niemegk und Klein Marzahns in einer großen Senke, in der Nebel und Rauchschwaden sehr dicht sein könnten.

Wie berichtet, waren bei schlechter Sicht an dieser Stelle insgesamt 16 Autos und acht Lastwagen aufeinandergeprallt. Zwei Menschen kamen dabei ums Leben, weitere neun Fahrzeuginsassen erlitten schwere Verletzungen. „Die Unfallursache ist nach wie vor unklar“, sagte Polizeisprecher Ringel. „Wir müssen für die weiteren Ermittlungen ein Gutachten abwarten.“ Die Rauchwolken vom Großbrand allein hätten jedoch nicht zu der schlechten Sicht zum Unfallzeitpunkt geführt. Es habe den ganzen Tag in dieser Senke „dicke Suppe“ gegeben, so dass die Autofahrer ständig in den Verkehrsnachrichten zu erhöhter Vorsicht aufgefordert wurden.

Nach Angaben von Augenzeugen betrug die Sichtweite teilweise nur 20 bis 50 Meter. Ihren Berichten zufolge waren zwei Autos beim Überholen mit einem Lastwagen kollidiert, der daraufhin eine Vollbremsung einleitete. Er konnte die Spur auf der feuchten Fahrbahn nicht halten und stellte sich quer. Die nachfolgenden Fahrzeuge erkannten im Nebel das Hindernis zu spät und rasten gegen den Lastwagen und schließlich auch ineinander. Auf 500 Meter Länge hatten sich die Wracks sowie Öl und Benzin verteilt.

Der Brand in der Lagerhalle selbst war am Montag ausgebrochen. In einem ehemaligen Gebäude zum Sortieren von Kartoffeln und in den Flächen davor hatte ein Unternehmer in den neunziger Jahren unsortierten Abfall abgelagert. Bis zu fünf Meter hoch stapelten sich auf dem 16 000 Quadratmeter großen Areal Bauschutt, Folien, Kunststoffe, Reifen, Pappe und andere Dinge. Später war der Mann in die Pleite gerutscht. Er soll im benachbarten Sachsen-Anhalt inzwischen von Hartz-IV leben.

Alle Bemühungen der örtlichen Behörden zum Bannen der Brandgefahr scheiterten am nicht vorhandenen Geld. So musste Freiwillige Feuerwehr mit ungewöhnlichen Problemen – fehlende Rettungsschneisen und komplizierte Wasserversorgung – kämpfen. Anwohner wurden aufgefordert, wegen des Rauchgases ihre Fenster geschlossen zu halten.

Für das kommende Wochenende warnt die Polizei landesweit vor neuen Gefahren. Starker Wind könnte Sand und Erde von den trockenen Feldern aufwirbeln und zu erheblichen Sichtbehinderungen führen. Im April rasten bei einer Massenkarambolage im Sandsturm auf der Autobahn Berlin-Rostock 80 Fahrzeuge ineinander. Acht Menschen starben. Die Polizei rät wie immer zu „angepasster Geschwindigkeit“.

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